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November 12, 2020

Upcycling als humanitäre Hilfe: Designprojekt der unibz für „bolzano senzatetto | obdachlos in bozen“

Ben Ratschiller

Armut macht auch vor Südtirol, von seinen BewohnerInnen als Insel der Seligen mit hohem Lebensstandard gepriesen, nicht Halt. Diejenigen, die vom Leben weit unterhalb des Existenzminimums ein trauriges Lied singen können, sind die Obdachlosen, die besonders in den Städten unseres Landes ihr Dasein fristen. Zumindest ein klein wenig Abhilfe könnte hier Ausrüstung schaffen, die Schutz, Wärme und die Aufbewahrung von wichtigen Gegenständen ermöglicht. 

Bewegt und angespornt von einer Tagung im Oktober 2019, bei der es um die Armut in der Provinz und insbesondere die Obdachlosigkeit ging, haben sich Kuno Prey und 43 Studierende der Fakultät für Design und Künste der Uni Bozen dieser Fragestellung angenommen und in intensiven Gesprächen mit Bozner Obdachlosen erörtert. Mit der Betreuung der Uni-Profs Kuno Prey, Francesco Faccin, Seçil Ugur Yavuz und Alessandro Mason entwickelten die angehenden DesignerInnen eine Reihe von Projektvorschlägen, um die Not der Obdachlosen, wenn schon nicht zu beseitigen, zumindest ein wenig zu lindern. Zwei der Projekte wurden schließlich von der Gruppe Volontarius ausgewählt und von Salewa in Zusammenarbeit mit der Sozialgenossenschaft SMART in Rovereto aus Ausschussware und aussortierten Materialien in einer Kleinserie hergestellt.Schlafsack sacca a pelo in the making unibz

Die Anliegen der Obdachlosen waren vielerlei, doch kristallisierte sich insbesondere der Bedarf heraus, Objekte von persönlichem Wert, wie Fotos und andere Erinnerungsstücke, sowie wichtige Dokumente, deren Verlust oft ungeahnte Probleme mit sich bringen kann, gut und verlässlich zu schützen. Hier kommt „Kangarù“ ins Spiel: Ein schlichter, robuster Geldgürtel, designt von Silvia Ferrara, Bianca Miori und Vanesa Salinas, ermöglicht es, wichtige Gegenstände bequem unter dem Hemd zu tragen, um Verlust oder Diebstahl vorzubeugen. 

Ein weiterer Punkt, den viele der befragten Obdachlosen schmerzlich vermissten, war Schutz vor Kälte und Witterung, wenn die gängigen Anlaufstellen für Schlafplätze aus Platzmangel oder anderen Gründen nicht zur Verfügung stehen. In diese Kerbe schlägt „Nautilus“ und geht sogar noch weiter. Designt von Amedeo Bonini, Jean Dard und Simone Tarozzi ist der Rucksack ein wahres Multitalent: Neben der Aufbewahrungsfunktion seines kleineren Pendants bietet er Platz, um auch Decken und Bekleidung zu transportieren. Zusätzlich ist ein Schlafsack integriert, der mit einer austauschbaren Isolierschicht aus gebrauchtem Karton zuverlässig vor Kälte und Feuchtigkeit schützen soll. 

Beide Projekte wurden Mitte Oktober 2020 von den Studierenden selbst mit Uni-Prof Kuno Prey sowie Salewa-Chef Heinrich Oberrauch vorgestellt. Insgesamt 17 Nautilus und 27 Kangarù wurden VertreterInnen von Volontarius übergeben. Ein kleiner Schritt, um den vielen Obdachlosen im Land zu helfen, und ein großer in die richtige Richtung. 

Gruppenfoto_foto di gruppo unibz salewa volontarius

Fotos (c) unibz: (1) Important items; (2) Schlafsack in the making; (3) vorne v. l. n. r. die Studierenden Amedeo Bonini, Bianca Miori und Silvia Ferrara, hinten v. l. n. r. Luca Lamberti, Diana Seyffarth, Kuno Prey, Martine Riblan und Heiner Oberrauch.  

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