Fashion + Design > Fashion

August 26, 2020

Local Stores – Local Stories #2

Susanne Barta

Letzte Woche habe ich euch feines in Lana, less is more und den neuen Monocle Shop in Meran vorgestellt. In Südtirol tut sich was. Nachhaltiger Konsum wird immer mehr zum Thema. Im Lebensmittelbereich ist bio ja schon fast selbstverständlich. Aber auch in der Mode wird das nachhaltige Angebot größer und vor allem vielfältiger. Teil 1 findet ihr hier.Best Second Hand Riffian

Petra Weger hatte ein leeres Geschäft und viele Kleider zuhause. Das ist nun schon einige Jahre her. Das Lebensmittelgeschäft ihres Vaters musste sie schließen, da sich das nach dem dritten Kind von der Arbeitsbelastung her nicht mehr ausging. Man kann Petra gut und gerne als Südtirols Second-Hand-Pionierin bezeichnen. Auch nach sechs Jahren ist ihr Geschäft Best 2nd Hand in Riffian Anziehungspunkt für nah und fern. Das mag an der Größe liegen, aber vor allem an ihrem vielfältigen und hochwertigen Angebot. „Top Marken zu Minipreisen“ ist ihr Slogan und dass das so ist, davon sollte sich jeder Second-Hand-Fan selbst überzeugen. Als ich bei ihr bin, kommt gerade eine Kundin herein. „Warum ich hierher komme? Ich muss nicht herum rennen, hier gibt es eine große Auswahl und ich finde immer ein, zwei Stücke.“ Auch ich bin fündig geworden. Ich war schon beim Hinausgehen, als mir Petra diese unglaublich coolen, noch ungetragenen und im Vergleich zum Originalpreis geradezu preiswerten Stella McCartney Elyse Platforms zeigte. Man braucht wohl etwas Mut, sie auszuführen, und einen konzentrierten Gang, um sich die Knöchel nicht zu brechen, aber ich konnte nicht widerstehen.Susanne Barta NOI Techpark Bozen

„Am Anfang waren die Kunden sehr skeptisch“, erzählt Petra. Aber sie habe einen großen Bekanntenkreis, die brachten Kunden und allmählich trauten sich dann auch die Leute aus dem Dorf und der Umgebung herein. Heute hat sie viele Stammkunden, auch unter den Touristen. Billigmarken findet man nicht im Best Second Hand. Petra achtet sehr auf Qualität, die Geschäftsmodelle der Ketten möchte sie nicht unterstützen. Hingegen findet man eine Vielzahl großer Marken, erwähnenswert ist auch die gute Auswahl an Business-Kleidung. Das Geschäft laufe gut, vor allem jetzt nach Corona. „Es schaut so aus, als ob es doch so etwas wie ein Umdenken gäbe.“ Petra selbst geht mit gutem Beispiel voran. Abgesehen davon, dass sie sich fast ausschließlich Second Hand kleidet, putzt sie nur mit Wasser und Biostein, verwendet natürliche Spülmittel und wäscht sich mit Seife. Auch Petras Tochter, die oft am Abend nach der Arbeit im Geschäft mithilft, kleidet sich Second Hand. Und auch die Mutter hilft mit. Zuerst sei sie sehr skeptisch gewesen, erzählt Petra schmunzelnd, doch jetzt ist auch sie voll dabei.

6 gluecklich Janker Mix

Der Name ist Programm. Das kleine, feine Südtiroler Label glücklich setzt auf regionale Kreisläufe und traditionelle Handwerkskunst. „Unser Ziel ist es, hochwertige und funktionale Produkte zu kreieren“, sagt Christoph Steiner. Dabei wird bei glücklich viel Wert auf Design gelegt. „Unser Design ist zeitgemäß und doch zeitlos, traditionell und trotzdem frech, für besondere Momente und auch für die tägliche Garderobe.“ Genau geschaut wird darauf, wo die Materialien eingekauft werden und wo produziert wird. Das sind meist kleine Betriebe, wenn möglich in der Nähe. Christoph erzählt, dass der Handel immer mehr nach Zertifizierungen frage und dort, wo es möglich ist, versuche er dem auch nachzukommen. Die glücklich-Kollektionen gehen an ca. 70 Händler und werden natürlich auch in den beiden Geschäften in Eppan und Meran verkauft. Dort findet man neben den eigenen Produkten auch mit Bedacht ausgewählte andere Marken. Es sind meist kleinere Brands, die den glücklich-Designvorstellungen entsprechen und auch die Wertehaltung teilen.gluecklich Ludovica Loden Corn_Franz Ferdinand

Auch bei den Märkten und Messen halten nachhaltige Mode und Design immer öfter Einzug. GREENSTYLE home of sustainable fashion wird von 5. bis 8. November 2020 wieder Gast bei der Biolife in Bozen sein und am 5. September 2020 findet in Klausen von 9 bis 17 Uhr zum ersten Mal der Fair Fashion Markt Ecotex statt. Mit 24 Verkaufsständen, Kleidertauschparty, Modenschau, Flickwerkstatt, einer Ausstellung zur weltweiten Kleiderproduktion und einigem mehr. Mit dabei sind u. a. Micle (Michael Klammsteiner, Maßschneider und Textildesigner; sein erstes Kleidungsstück war ein Naturkleid aus Bananenfasern), Überfliegerin, Buteiga dl Mont Gherdeina, Monika Kienzl, REA, rewollte, Bad Seeds Company Italia, NanMa, CKREALIS und Wipalla. Die Veranstaltung wird von der Wirtschaftsgenossenschaft Klausen in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk der Südtiroler Weltläden, INTERGAS und OEW organisiert. Weitere Infos findet ihr hier. Neugierig? Let’s check it out! 9 2020_Micle_M.Klammsteiner_(C)TiberioSorvillo

Fotos: (1) © glücklich; (2 + 3) © Birgit Mayr; (4 + 5) Susanne Barta, Susanne trägt Jeans von Arket, ein altes T-Shirt und die Stella Mc Cartney Schuhe; (6–8) © glücklich; (9) © Micle/Tiberio Sorvillo 

Print

Like + Share

Comments

Current day month ye@r *

Discussion+

There are no comments for this article.