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August 19, 2020

Local Stores – Local Stories #1

Susanne Barta

In Südtirol tut sich was. Nachhaltiger Konsum wird immer mehr zum Thema. Im Lebensmittelbereich ist bio ja schon fast selbstverständlich. Aber auch in der Mode wird das nachhaltige Angebot größer und vor allem vielfältiger. Über Kauri Store,  Mode Tschurtschenthaler, CORA happywear und Kleopatra konntet ihr auf diesem Blog schon lesen. Vor kurzem habe ich eine Runde im Westen des Landes gemacht und feines in Lana, less is more in Meran und Best 2nd Hand in Riffian besucht, beim Monocle Shop in Meran und auch bei glücklich in Eppan vorbeigeschaut.

Susanne Barta feines

Begonnen hat es 2013 unter dem Namen „Südtiroler Wollwelt“. Die Eltern von Johannes Winkler betrieben am Gries in Lana ein Geschäft für Wollartikel und Bekleidung, 2015 übernahmen dann Johannes und seine Frau Magdalena. Nachhaltigkeit war für die beiden schon immer ein wichtiges Thema. Und so lag es auf der Hand, das Angebot zu erweitern. Von Schafwollartikeln zu allem was man so für einen nachhaltigen Lebensstil braucht. Heute bietet „feines“ in zwei Geschäften nachhaltige Damen-, Herren- und Kinderbekleidung, Kosmetik, Wohnaccessoires und Spielsachen. Eigentlich sind es ja drei Geschäfte, denn auch der Online-Store spielt eine wichtige Rolle. „Vor allem während des Lockdown konnte vieles abgefedert werden, ohne den Online-Shop wäre es knapp geworden“, erzählt Johannes. 

Wichtig ist den beiden ein Angebot in Abstimmung mit ihren Kunden zu entwickeln. Was braucht es? Was wird nachgefragt? „Zunächst mussten wir viel erklären, einiges ist aber heute schon selbstverständlicher geworden“, sagt Magdalena. Viele tasten sich nur langsam an nachhaltige Produkte heran. Das geht uns wohl allen so. Auch mir. Meist beginne es beim Kind und wenn die Eltern dann merken, wie gut es dem Kind geht kaufen sie auch für sich. Nach einiger Zeit sei dann oft die ganze Familie Kunde. „Wichtig ist uns, gut zu informieren, uns weiterzubilden und genau zu recherchieren.“ Johannes und Magdalena klären ihre Kunden auf über Materialien, Produktionsbedingungen und Zertifizierungen. „Viele glauben, dass regional immer das Beste ist, aber Made in Südtirol, Made in Italy oder auch Made in Germany muss nicht immer bessere Produktionsstandards bedeuten als zum Beispiel Made in Indien.“Susanne Barta Foto_5 less is more

Brigitte Frank hat ihren Fair Fashion Store „less is more“ im Juni 2019 in der Kurhauspassage in Meran aufgemacht. Nach vielen Jahren im Verkauf wollte sie etwas verändern. Brigitte hat tagtäglich erlebt, welche Massen an Waren kommen und gehen, sie hat von den Chemikalien der Materialien und dem Verpackungsmaterial Ausschläge auf den Händen bekommen und irgendwann war es genug für sie. Wieso muss so viel Ware in den Geschäften hängen? Wieso wird soviel produziert? Wieso muss man so viel besitzen? Diese und andere Fragen habe sie sich immer öfter gestellt, erzählt sie. Der Traum von einem eigenen Geschäft ging ihr schon länger durch den Kopf. Klar war auch, dass sie dieses Geschäft für ihre Kunden anders gestalten wollte. 

Die Präsentation der Mode wirkt ansprechend, „hier hat jemand eine gute Hand“, dachte ich mir gleich beim Betreten des Geschäfts. Zu finden sind Marken wie JAN N JUNE, Jungle Folk, Kings of Indigo, ethletic, vesicapiscis, pinqponq und O MY BAG. Das Wichtigste seien für sie die Materialien, möglichst wenig Synthetik sollte es sein, in erster Linie Naturmaterialien. „Aber die Stücke müssen auch mir gefallen“, betont Brigitte. Sie recherchiert, wie und wo die Firmen produzieren. Viele sind Teil der Fair Wear Foundation.less is more Susanne Barta

„Die Kunden haben viele Fragen“, erzählt sie, „das Interesse steigt“. Brigitte wünscht sich mehr Bewusstsein in der Modebranche, aber auch bei den Kunden. „Die neuesten Trends zu kaufen, immer das Letzte zu haben, ist nicht so wichtig, wichtig ist, seinen Stil zu finden und weniger und besser zu kaufen.“ Online-Store betreibt Brigitte keinen, sie sei alleine und das gehe sich nicht aus. Der Lockdown hat sie hart getroffen. Aber sie hoffe sehr, diese Zeit zu überstehen. Das hoffen wir auch!

Wir bleiben in Meran. Der neue Monocle Shop, geführt von der immer energiegeladenen Linda Egger, befindet sich nur einige Häuser weiter vom alten Geschäft. Monocle-Founder Tyler Brûlés Philosophie ist es ja, hochwertige Handwerkskunst in Verbindung mit feinsten Materialien zu präsentieren und in verschiedenen Kollaborationen auch eigene Produkte zu entwickeln. Zu finden sind im Shop auch einige nachhaltige und regionale Brands wie A Kind Of Guise, La Fetiche, glücklich, Trehs, Zilla oder Reinhard Plank. Ein Besuch lohnt sich immer, auch nur, um Schönes anzuschauen, denn die Produkte haben ihren Preis. 

Weiter geht’s nächste Woche mit Best Second Hand und glücklich. Stay tuned. 

Abschließend noch ein Hinweis für alle Second-Hand-Fans: am Sonntag, 30. August, von 10 bis 18 Uhr, gibt’s einen Flohmarkt. Sechs Aussteller sind dabei und verkaufen coole Second-Hand-Teile. Das Ganze wird unterstützt von Kleopatra und Best 2nd Hand. Wo? In Eppan am Weingut Bergmannhof. Näheres dazu auf Facebook. Da solltet ihr unbedingt vorbei schauen!Foto_8_Bergmannhof (c) Tanya Deporta

Fotos: (1) © Monocle; ( 2–3) © Susanne Barta: Susanne trägt eine Jeans von Arket, T-Shirt von Viktor & Rolf x Calida, einen Janker von feines und Espadrilles von Jutelaune; (4) © Susanne Barta; (5–6) © Susanne Barta: Susanne trägt eine Jeans von Arket, Hemd von Jungle Folk und Espadrilles von Jutelaune: (7) © Tanya Deporta.

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