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May 28, 2020

fragments >> floating fragments

Florian Rabatscher

Vom 6. März bis 23. Mai 2020 fand Korrektur-Update wenige Minuten nach Veröffentlichung: In der Galerie Prisma findet bis 30. Mai 2020 die Einzelausstellung „fragments“ der jungen Künstlerin Elisa Alberti statt – hätte meine Einleitung lauten sollen. Doch leider fiel auch diese Veranstaltung anders aus, als man es sich vorgestellt hatte. Unser neuer, kleiner und nicht geradezu gönnerhafter Begleiter, der Corona-Virus, ließ die Ausstellung zum größten Teil geschlossen bleiben und auch das Desinfizieren der Hände und das Tragen einer Maske während des Rundgangs gab wohl eher das Gefühl, einer abgedrehten Endzeitperformance beizuwohnen. Eine Performance, die wir zurzeit ständig erleben und bei banalen Dingen anfängt, wie in einer Bar sein Bier zu süffeln. [(Du sitzt an einem Tisch, der beißende Geruch von Desinfektionsmittel liegt in der Luft und treibt dir Tränen in die Augen. Vor dir steht die Bedienung mit einem Plastikvisier im Gesicht, was sie wie einen Power Ranger für Arme erscheinen lässt, und fordert dich – immer wieder – auf, die Abstandsregeln einzuhalten. Und während du deinen Gegenüber wie ein völlig Bekloppter anschreist, (weil er ja so weit von dir entfernt sitzt,) denkst du still bei dir: Kann mich bitte jemand kneifen? Das muss doch ein Alptraum sein. – Ist es aber nicht.)] Und auch diese Ausstellung fiel dieser Absurdität zum Opfer.

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Trotzdem habe ich noch an einem der letzten vier Tage, an denen sie geöffnet war, in Begleitung (von Alexander Ebner) reingeschaut und ein besonderes Konzept entdeckt. Die Beschreibung erklärt die Werke so: „Innerhalb ihres Spielfeldes breitet Elisa Alberti Farbe, Formen und Linien auf Papier, Holz oder Leinwand aus. Durch Überlagerungen und Schichtungen von abwechselnd grafischen und organischen Formen und Fragmenten spielen Vorder- und Hintergrund in ihrem Arbeitsvorgang eine wesentliche Rolle. Ihre Bildkompositionen beschränken sich auf wenige Farbtöne, die durch Abstufungen und Nuancen erweitert werden. Es entstehen Zeichnungen und Malereien, zumeist im selben Format, die ein in sich verwandtes, formales Prinzip zu erkennen geben.“

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Natürlich könnte es sinnlos erscheinen, Kunstwerke schriftlich zu erklären, weil auch auf mich (als bekennenden Kunstbanausen) manchmal manche Erklärungen so aufklärend wirken, wie die Schöpfungsgeschichte in der Bibel … Trotzdem möchte ich versuchen, euch das, was ich dort erlebt habe, zu beschreiben, weil es bei dieser Ausstellung völlig anders war … Eine kleine Führung im Kopf, wenn ihr so wollt:  

„fragments“ ist ein Theaterstück: Im ersten Akt betrachten wir die Werke von Elisa Alberti an den Wänden. Wir sehen Serien von kleinformatigen Arbeiten aus unterschiedlichen Zyklen und größere Malereien auf Leinwand. fragments4

Im zweiten Akt bewegen sich ihre Bilder plötzlich in den Raum. Einige Arbeiten hat die Künstlerin nämlich doppelseitig auf Stahlständer montiert und es bietet sich uns ein wechselnder Blickwinkel auf die Ausstellung. Wäre es ein Film, könnte man sagen: Brillante Kameraführung.fragments5

Es folgt der dritte und letzte Akt, in welchen der Video- und Sounddesigner Alexander Ebner involviert ist: Wir betreten einen zweiten Raum und tauchen in die Werke ein. „floating fragments“ ist eine Sound- und Videoinstallation, die gemalte und digitalisierte Fragmente aus den Werken der Künstlerin in bewegter Form zeigt. (Ziemlich abgefahren, wie die Werke an der Wand zu einem hypnotisierenden Sound tanzen.)

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Elisa hat viele ihrer Werke eingescannt oder fotografiert, Alexander hat sie animiert, Formen ausgeschnitten, den Hintergrund verändert und an die Musik angepasst. (Eine Heidenarbeit, die sich aber gelohnt hat.) Der Sound ist sehr fließend und läuft wie die Farbverläufe von einem ins andere. Manche rhythmische Elemente sind sehr hart und kantig, was zu einigen Bildern optimal passt. Alexander selbst meint, er liebe es, Kunstwerke zu vertonen, weil eine Ausstellung so einen gewissen Mehrwert erhalte, und wenn jemand nicht unbedingt gleich einen Zugang findet, könne der Sound in der Stimmung zu den Werken begleiten. „Bei Eröffnungen sind solche Mittel auch nicht minder hilfreich, denn der Sound bringt Leute dazu, zu schweigen und sich zu konzentrieren.“ fragments7

Warum schreibe ich nun aber einen Nachbericht zu einer längst geschlossenen Kunstausstellung? Ich denke, ein frisches Konzept, das gern nochmals erwähnt werden sollte. (Wenn ihr das nächste Mal die Namen dieser jungen KünstlerInnen erwähnt hört, schaut sie euch an. Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie noch für einige Überraschungen sorgen werden.) 

Fotos: (1, 2, 3, 4, 5, 6) Galerie Prisma; (7) franzmagazine

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