Music

January 2, 2020

Mr. Coons neues Sound-Baby: Why Not Now

Florian Rabatscher

Gerhard Martini kehrt mit höchst eigenartigen Klängen zurück: ein Name, der sich meistens hinter seinem Alter Ego Mr. Coon versteckt; ein besonderer Music Designer, der sich und den Hörer mit seinem Sound gerne von der realen Welt abkapselt. Wem dieser Name nichts sagt oder wer gern mehr über Mr. Coons abgefahrene Soundwelt erfahren möchte, kann das in diesem Artikel hier nachlesen.  

Doch jetzt sprechen wir von seinem neuesten Streich, dem Projekt „Why Not Now“ mit dem er es auch noch geschafft hat, einen weiteren Musiker in seine Dimension zu ziehen, nämlich den Perkussionisten und Schlagzeuger Georg Maria Lang: ein erfahrener Drummer, der bereits seit 1984 in verschiedenen Formationen seine Drum Sticks schwingt. Aber Erfahrung allein reicht bei Mr. Coons elektronischen Kompositionen bei weitem nicht aus, denn um mit dem digitalen Beethoven Südtirols mitzuhalten, erfordert es auch ein fast schon überirdisches Einfühlungsvermögen. Unmöglich? Anscheinend nicht, denn was ich bei ihren zwei Demo-Songs höre, klingt wie füreinander geschaffen. Hut ab vor Georg, der es wirklich geschafft hat, um Coons verwirrenden Soundkomplex ein Rhythmusgerüst zu bauen: Elektronische Musik trifft auf ein organisches Instrument und verliebt sich. Ach, wie schön und die anschließende Beziehung scheint perfekt, denn beide Elemente ergänzen sich hervorragend. Klingt fast schon kitschig, aber es kommt noch dicker: Aus dieser Zusammenkunft ist ein Klang-Kind entstanden, bei welchem man sich immer noch nicht ganz sicher ist, was es genau sein soll. Der Schrei dieses Kindes ist alles andere als Nerv tötend oder Mitleid erregend. Er ist eher beruhigend wie ein Valium, es schirmt alles um dich herum ab und du fühlst dich wohl und geborgen. Feine Klänge massieren deine Ohrmuschel, das Schlagzeugbeckenmeer rauscht vor deiner Tür, während der Regen einen Beat auf dein Dach zu klopfen scheint. Du schließt die Augen und findest eine beruhigende Welt hinter deinen Augenlidern. Eine Welt, in der Musikkapellen Jazz spielen und in den Kirchen Massive Attack erklingt. Selbst Gewalt würde mit so einer Musik unterlegt fast schon kunstvoll erscheinen. Wie die alten Spaghetti-Western, bei denen jede Schießerei wie eine Sinfonie wirkt. Mit dem feinen Unterschied, dass bei „Why Not Now“ die Cowboys und Banditen vom Mars kommen.

Alles in allem, wie man es von Mr. Coon gewohnt ist, ein sehr spezielles Hörerlebnis, welches sich live und in Farbe sicher auch sehr gut macht. Und ihr habt Glück, denn am 09.01.2020 könnt ihr euch davon im Batzen Sudwerk Bozen davon überzeugen. Lasst euch dort von diesen beiden Herren in Stimmungen versetzen, die euch wahrscheinlich ungewohnt erscheinen, die sich aber lohnen gefühlt zu werden. Wir jedenfalls gratulieren den beiden Eltern zu ihrem signifikanten Sound-Sprössling und wünschen uns noch mehr von ihm zu hören.     

Foto: Why Not Now

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