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July 30, 2019

Insciö – così, die Erfüllung einer Möglichkeit

Maria Oberrauch

Insciö – così, so heißt der vom Istitut Ladin Micurá de Rü neu herausgegebene Gedichtband mit Texten von Mattia Maldonado und Illustrationen von Silvia Baccanti. Präsentiert wird er am 16. August, dazu eröffnet auch die parallel entwickelte  Ausstellung im Istitut Ladin. franz hat die beiden AutorInnen gebeten, ins Poesiealbum zu schreiben.

Wer seid ihr und was macht ihr?

Mattia: Ich habe Ökologie und Evolution studiert und mich auf das Fortpflanzungsverhalten von Tieren spezialisiert. Aktuell würde ich gerne ein weiteres Jahr als Supplenz im naturwissenschaftlichen Unterricht am Gymnasium arbeiten. 

Silvia: Ich habe mein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Bologna mit den Schwerpunkten Comics und Illustration abgeschlossen und besuche derzeit den Fachkurs für Illustration und visuelle Kommunikation am ISIA (Istituto Superiore Industrie Artistiche) in Urbino.

autori oggi

Gedichte  zu illustrieren ist wie …

S: Die Illustration von Poesie ist ziemlich schwierig; einerseits lässt sie einen großen Interpretationsspielraum, andererseits will man dem Leser die eigene Interpretation nicht aufzwingen. Ich habe versucht,  mehr oder weniger hermetische Bilder zu gestalten, um Raum für verschiedene Interpretationen zu schaffen und die Lesart nicht zu beeinflussen.

Gedichte von jemand anderem durch Bilder weitererzählen zu lassen ist …

M: Silvia ist meine Cousine, ich glaube nicht, dass ich jemand anderen darum gebeten hätte. Ich war sehr gespannt auf die Illustrationen und mir gefällt, wie sie Texten, die von sich aus schon vielfältig interpretierbar sind, eine weitere Ebene verleiht. Die Texte sehe ich aber prinzipiell nicht als im Gedichtband fixiert. 

Insciö – così: Was ist und macht und sucht euer Buch?

M: Es ist die Erfüllung einer Möglichkeit. Es sucht nicht. Es macht Freude. 

S: Ich finde dieses Buch ist sehr vieles, für mich persönlich auch die Gelegenheit, sich auf etwas Neues zu beziehen, etwas gemeinsam zu verwirklichen. Auch eine Verpflichtung, mit allen einhergehenden Schwierigkeiten.

Was findet es?

M: Form … und glückliche AutorInnen. Es war schön, etwas zusammen zu gestalten.

S: … den Erfolg eines Experiments.

insciö

Lieblingsfarbe:

M: Früher sagte ich blau. 

S: Das variiert je nach Kontext und Verwendungszweck. Meine Lieblingsfarben im Malen sind andere als jene für ein Auto oder Socken.

Lieblingswort:

M: Urca, ich muss sagen, dass ich nie darüber nachgedacht habe. Wahrscheinlich also keins.

S: Lautmalereien.

Lieblingsquelle:

M: Inspirationsquelle? Nachrichtenquelle? Es gibt eine ausgezeichnete Wasserquelle in Sass Dlacia! Ich mag keine Nachrichten. Inspiration finde ich im Moment. Er erscheint anfangs zufällig und doch sind es bestimmte Umstände, die ihn auslösen, selbst wenn ich sie nicht erkenne und schon gar nicht das Bedürfnis habe sie zu analysieren. Es ist schön zu denken, dass die Inspiration gemächlich ist und frei, auch wenn im Grunde Arbeit darin liegt.

S: Vielleicht Inspektion? Beobachten, Fremde, Langeweile, triviale Dinge, sehr seltsame Dinge, wahrscheinlich viele andere Dinge.

ritratti

Die Ausstellung ist …

M: … eine weitere Möglichkeit der Erkenntnis. Für mich muss Kunst nur sich selbst genügen. Der Ausdruck ist wichtig, ein Gefühl, das vielleicht vermittelt werden kann. Verständnis nicht unbedingt. 

S: Die Ausstellung umfasst die Präsentation von Illustrationen und einigen Gedichten. Wir wollen einen parallelen Erzählweg zwischen Bildern und Texten schaffen.

Mein letzter Traum:

M: Ich schlafe wie ein Stein und erinnere mich nie an sie. Dann ist da “das Leben ein Traum, Charlie Brown” und ich lebe meinen Traum. Wenn wir noch den Traum als Wunsch oder etwas, das erreicht werden will, meinen, würde ich gerne mit meiner Partnerin zusammenleben.

S: Ich weiß nicht, ich erinnere mich normalerweise nur an Alpträume. 

Was birgt die Zukunft? 

M: Das, was kommt. Und wie es sich anfühlt, es zu verwirklichen. Gemälde, Konzerte, kleine Schmuckstücke. Vielleicht auch bessere Deutschkenntnisse, mein Studienabschluss, die Beziehung zu Menschen und Fragen, die mich in Schwierigkeiten brachten. Gemütsschwankungen. Auf dem Weg sein. 

S: Das letzte Jahr der Universität, mehrere redaktionelle Projekte in Eigenproduktion, bestenfalls viele unerwartete Dinge.

Fotos + Illustrationen:  Silvia Baccanti, Mattia Maldonado

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