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May 8, 2019

Grenzen, Heimat und Entfremdung: Eau&Gaz wandert aus

Maria Oberrauch

Für ihr fünfjähriges Jubiläum verlässt die Residenz Eau&Gaz ihr gewöhnliches Habitat und erkundet neue Standorte, obwohl oder gerade weil das Thema topographischen Ursprungs ist: Die Ausstellung The Uncanny Valley beleuchtet die topografische Dimension des Freudschen Unheimlichen: “In diesem Fall ist das Unheimliche das ehemals Vertraute, das Zuhause.” (Freud 1919). Mit The Uncanny Valley nimmt Eau&Gaz Bezug auf die Eingliederung Südtirols in Italien: Heimat lässt sich nicht als klare Grenze zwischen Innen und Außen definieren, sondern besteht als hybride Konstellation, als künstlich geschaffenes Konstrukt des Zusammenlebens. Ehemalige und aktuelle TeilnehmerInnen des Residency-Programms Eau&Gaz und mehrere Südtiroler KünstlerInnen, haben unter der Leitung von Atto Belloli Ardessi und Ginevra Bria, sowie der Eau&Gaz Gründerinnnen und Kuratorinnen Sarah und Kathrin Oberrauch, eine vielschichtige Show zusammengestellt: Stefan Alber, Atelier Van Lieshout, Carlo Benvenuto, Aslı Çavuşoğlu & Ersöz Ata, Yael Frank, Vincent Grunwald, Silvia Hell, Herfurtner & Iselin Ricketts & MacLean, Mrova, Masatoshi Noguchi und Max Rohr untersuchen in dieser Edition die Privatsphäre des Innenraums und reflektieren über die Frage nach sozialer und individueller Entfremdung, Verdrängung, Exil und Unterdrückung.

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Dazu zieht es Eau&Gaz zuerst nach Mailand in den fast historischen FuturDome, einen unabhängigen, der zeitgenössischen Kunst gewidmeten Artspace. Bis 25. Mai 2019 macht The Uncanny Valley dort Station, danach kehrt die Show ins Lanserhaus in Eppan zurück. Atto Belloli Ardessi und Ginevra Bria haben uns Einblick in das Konzept FuturDome und in ihre Perspektive auf The Uncanny Valley gegeben.

 Futurdome ist …

… als gemeinnütziger Museumsraum in einem Wohnhaus konzipiert. Mit FuturDome bietet – Istituto Internazionale di Studi sul – einen Ort, an dem Künstler, Kuratoren und Kreative innovative Projekte entwickeln und der Öffentlichkeit präsentieren können, in einem Kontext, der den kulturellen und sozialen Wert künstlerischer Experimente anerkennt. FuturDome ist ein Raum der zeitgenössischen Avantgarde, die mit ortsspezifischen Kunst- und Designprojekten im Wohnbereich verwoben ist. Publikationen, Ausstellungen, Vorführungen, Performances und Bildungsprogramme … FuturDome steht im Dienst der KünstlerInnen.

Ein Raum mit Geschichte …

… FuturDome war einst Dreh-und Angelpunkt der futuristischen Bewegung, von hier aus entstanden in den 1940er-Jahren neue Bewegungen, darunter Konkrete und Visuelle Poesie oder Kinetische Kunst. Mit der Sanierung des Gebäudes wurde das Konzept des Wohnortes neu gestaltet und der Begriff Museumsgehäuse geprägt, um die Einzigartigkeit der FuturDome-Erfahrung zu definieren, welche die letzte Phase eines Projekts der künstlerischen Erneuerung darstellt.

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Welche künstlerische Perspektive von The Uncanney Valley hat euch überrascht, begeistert? 

Etwas Episches verbindet die Arbeiten der KünstlerInnen, die seit fünf Jahren in Eau&Gaz zu Hause sind. Wir haben im gegenseitigen Einvernehmen gearbeitet, so dass der kollektive Weg von KünstlerInnen wie Stefan Alber, Silvia Hell oder Yael Frank nicht als reine Rhetorik nachhallt, sondern auf nichtlineare Weise dieses losgelöste Nostos verkörpert, das Gefühl der Rückkehr, welches die beiden voneinander unabhängigen Räume in Mailand und Bozen prägt und verbindet. Wir sind sicher, dass uns die rastlosen Visionen einer Region, welche auch unsere jeweiligen Realitäten darstellt, als installierte, zusammengefügte Ausstellung noch viel mehr erzählen kann, als singuläre Arbeiten. Auch über uns selbst. 

Was ihr gerne erzählen wollt:

Neben der mehr oder weniger klaren Identität und den Grenzen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen vermittelt The Uncanny Valley, wie grundlegend es ist, dass jemand in diesen Gebieten Grenzen erforscht und überschreitet: Eine Aktivität, die in Zeiten von Spannungen und Konflikten als Schmuggel, Export oder einfache Infiltration erscheinen mag, aber ein entscheidender kultureller Prozess ist, um Starre abzuschwächen, Grenzen zu relativieren und Interaktion zu fördern.

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Fotos: Elif Erkan (Titelbild), Jan Kliever für Silvia Hell (2), Stefan Alber (3), Mrova (4).

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