Culture + Arts > Cinema

April 11, 2019

Es regnet diese Woche und Preise auch … Die Dokus beim Bolzano Film Festival Bozen

Maria Oberrauch

Das Bolzano Film Festival Bozen ist gestartet und läuft bis Sonntag, 14.04. großteils im Capitol Bozen, in der Dr.-Streiter-Gasse, einige Filme werden aber auch im Museion, im Centro Trevi, in Meran, Brixen oder Kaltern gezeigt. Prämiert wird der beste Spielfilm und der beste Dokumentarfilm, es gibt wie immer einen Publikumspreis und den Spezialpreis „Dolomiten UNESCO Weltnaturerbe“. Neu ist  der Golden Walther Award und jung der Preis der Euregio Schüler-Jury, bei dem neun OberschülerInnen aus Tirol, Südtirol und dem Trentino einen Preis vergeben konnten. Begleitet wurden die SchülerInnen bei ihrer Entscheidung von zwei Tutoren. Die Wahl ist schon gefallen, der Dokumentarfilm The Cleaners wird im kommenden Schuljahr in der Reihe Kino & Schule in Anwesenheit der Regisseure Hans Block und Moritz Riesewieck gezeigt. 

The Cleaners beleuchtet das System der digitalen Zensur in sozialen Netzwerken. Die Cleaner, Aufräumer aus den Slums in Manila, entscheiden tagtäglich in Sekundenschnelle darüber, was im Netz bleibt und was entfernt werden muss, was Satire und was das echte Leben ist, was freie Meinungsäußerung und was Gewalt. Folter, Missbrauch, Mord, die meist jungen Menschen bleiben mit dem Grauen, dem sie ausgesetzt sind, allein und traumatisiert zurück. Ein Dokumentar-Thriller, ein Film des Augenblicks, das zeigen zahlreiche Auszeichnungen und positive Besprechungen. Wer es nicht ins Capitol schafft, kann diesen Film aktuell auch über die WDR Mediathek streamen. 

Ein Film, der die Neugier in mir weckt und mich dann zweifeln lässt, ob es sich dabei um Voyeurismus oder literarisch begründetes Interesse handelt, ist Der Bauer zu Nathal von David Baldinger: ein Portrait über Thomas Bernhards Heimatort – wenn es so etwas wie Heimat für Bernhard tatsächlich gab – und wie das Dorf mit diesem kulturellen Erbe umgeht. Wer Bernhard gelesen hat, weiß, wie schonungslos und auch übertrieben er die ländliche Bevölkerung beschreibt und dass er nicht nur die Ohlsdorfer „zitierte“, sondern sein ganzes Schaffen hindurch ziemlich punktierte Parallelen zu Personen der Öffentlichkeit oder aus seinem Bekanntenkreis zog …

Arrivederci Saigon von Wilma Labate erzählt von fünf italienischen jungen Frauen, die sich 1968 dazu entscheiden, mit ihren Musikinstrumenten durch Hong Kong, Manila und Japan zu reisen, mit dem Traum als „Le Stars“ berühmt zu werden und mit der Realität sich mitten im Vietnamkrieg wiederzufinden. Eine Erzählung aus erster Hand, 50 Jahre später.

Der Südtiroler Beitrag kommt von Martine de Biasi: Becoming Me ist eine dokumentarische Langzeitbeobachtung und begleitet die Transformation der Frau Marion zum Mann Marian, mit allen Zweifeln, Ängsten aber auch Glück und Fortschritten.

Exit, von Karen Winther ist eine Dokumentation über ehemalige rechtsextreme bzw. linksextreme Männer und Frauen, die aufgrund ihrer Vergangenheit dazu gezwungen sind, ein isoliertes Leben zu führen. Dabei scheut die Regisseurin sich nicht davor, die eigene Vergangenheit zu beleuchten.

Mother Fortress, eine italienische Dokumentation von Maria Luisa Forenza, erzählt von Mutter Agnes, einer Oberin im  Kloster von Qarah bei Damaskus, die versucht, gemeinsam mit anderen Nonnen und Mönchen, syrischen Flüchtlingen Schutz zu bieten. Sie leisten humanitäre Hilfe unter lebensgefährlichen Bedingungen und versuchen den Menschen zu erhalten, was vielleicht das Wichtigste ist: Ihre Würde. 

Dann noch Eisenberger – Kunst muss schön sein, sagt der Frosch zur Fliege über den österreichischen Künstler Eisenberger, der mit 40 Jahren über 45.000 Werke geschaffen hat und viele davon auf Straßen und Plätzen stehen ließ. Ein Film über die künstlerische Freiheit und den Versuch, sich der Kunstindustrie zu entziehen.

Und Waldheims Walzer über den ehemaligen UN-Generalsekretär Kurt Waldheim, und den Skandal um seine nationalsozialistische Vergangenheit, die im Zuge seiner Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten aufgedeckt wurde. Ruth Beckermann zeigt die Mechanismen der Mobilisierung hetzerischer Gefühle, damals wie heute immer noch, auf.

Jeder Film wird zwei Mal präsentiert, genaue Angaben dazu findet man auf filmfestival.bz.it 

Print

Like + Share

Comments

Current day month ye@r *

Discussion+

There are no comments for this article.

Related Articles