Music

April 2, 2019

“Leiwanda Musi” in Brixen: Ernst Molden & Der Nino aus Wien

Florian Rabatscher

Wien kommt zu uns. Aber wie kann das sein? Wie soll eine ganze gottverdammte Stadt in unser kleines Kaff passen? Ganz einfach, in Form von zwei wichtigen Vertretern der österreichischen Metropole. Spricht man von „wichtigen Vertretern“, denkt man als erstes wahrscheinlich an den Obermacker Österreichs oder an diese Art von Menschen. Nur würde das „normale“ Volk so jemanden niemals zu Gesicht bekommen, so jemand würde wahrscheinlich nur das Gespräch mit unserem obersten Häuptling suchen. Aber genug jetzt davon. Am Freitag 05. April kriegen wir Besuch von zwei Stimmen Wiens, welche die andere, sagen wir, die wahre Seite dieser Stadt verkörpern. Das aufregend dreckige und zugleich schöne Herz von Wien. Ja, und auch die noch so räudigsten Köter des Südtiroler Undergrounds können in den Genuss dieser Klänge kommen.

Die Dekadenz Brixen lädt die zwei Musiker Ernst Molden und Nino Mandl ein – groß vorstellen muss man diese beiden Herren nicht. Wer immer schon ein Fan von Austropop war, dem sollten diese Namen ein Begriff sein. Speziell Nino Mandl alias Der Nino aus Wien, gilt wohl als Vorreiter der neuen Austropop-Welle (Christina Stürmer und Co ausgenommen natürlich …), die Mitte 2000 wieder spürbar um sich schlug. Zwar heimsen Wanda, Bilderbuch oder Vodoo Jürgens heutzutage den meisten Ruhm für diese Sparte ein, aber insgeheim, denke ich, ist trotzdem Nino der eigentliche König. Schon allein der Grund, dass sein Debut-Hit den Titel „Du Oasch“ trägt, spricht dafür. Auch Ernst Molden ist ein wesentlicher Bestandteil der Wiener-Kulturszene. Da er nicht nur als Musiker, sondern auch als Schriftsteller unterwegs ist, kennt er die Szene von fast all ihren Seiten. Er arbeitete als Polizeireporter und Dramaturg, ist Romancier, Essayist und zudem Autor von Theaterstücken, Liederbüchern und Hörspielen.

Der Nino aus Wien + Ernst Molden (c) Ronnie Niedermeyer, rn.co.at

Wenn sich zwei Liedermacher dieses Karats – der „Bob Dylan vom Praterstern“ (Nino Mandl) und der „Leonard Cohen Wiens“ (Ernst Molden) – zusammentun, kann es nur das „Leiwandste, wos ma si nur vorstö’n kann“ werden.

Ihr 2015 erschienenes gemeinsames Album „Unser Österreich“ lässt erahnen, wo uns dieses Konzert hinführen wird: Nämlich auf eine Reise zu den Wurzeln des Austropops. Lieder alter Geister, wie die von Falco, Ambros oder Danzer, werden im neuen Gewand präsentiert. – Denkt nicht, sie spielten tot gehörte Hits wie „Schifoan“ oder „Rock Me Amadeus“, die Auswahl an guten Stücken ist zum Glück groß genug. Ein Glück das wir hier nicht hätten … Stellt euch doch mal vor, irgendein Musiker würde alte Songs aus der Südtiroler Schublade singen: „Eine weiße Rose“ oder „Herzschlag für Herzschlag” vielleicht? Gütiger Gott! Mir kommt gerade etwas Saures hoch, also schnell aus dem Gedächtnis streichen.

Jedenfalls! Am Freitag wird sich die Dekadenz wohl in ein Wiener Beisl verwandeln. Wenn der Ernst und der Nino mit der „Tschick“ im Mundwinkel alte Wiener-Gassenhauer zum Besten geben, gibt’s nicht ein paniertes Schnitzel oder einen Walzer. Nein, da wird schon eher geraucht, gesoffen und geraunzt. Habe ich noch irgendwelche gängigen Wiener-Klischees vergessen? Vielleicht fällt es mir, während ich meinen Spritzwein genieße, noch ein. Bis dahin freuen wir uns einfach auf ein leiwandes Konzert und ich hör jetzt lieber auf zu viel darüber zu schwafeln denn: „Wer lang sudert, wird net pudert!“

Foto: Ronnie Niedermeyer

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