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March 13, 2019

Eating Emotions: kein leichter „Happen“

Maria Oberrauch
Wenn der ureigenste Instinkt Hunger erstickt wird, gewinnt die Angst vor dem Essen irgendwann die Überhand und Nahrung ist nicht mehr Natürlichkeit oder gar Lust, sondern einzig und allein der Feind, den es mit allen Registern abzuwehren gilt. Anlässlich des "Nationalen Tages zur Sensibilisierung von Essstörungen" findet am Donnerstag, den 14. März ab 18 Uhr in der Fachstelle INFES, Forum für Prävention, eine Vernissage mit Arbeiten der Fotografin Stefania Zanetti statt.

„Eating Emotions“ lautet der Titel der Ausstellung und basiert auf Zanettis Abschlussarbeit in Ecosocial Design an der freien Universität Bozen. Für diese entwickelte sie 10 fotografische Rezepte. Ausgangspunkt und Prozess war die Suche nach einer Möglichkeit, neue Perspektiven und Verhaltensansätze im Umgang mit Essen zu finden, insbesondere für von Essstörungen betroffene Menschen. Dabei steht Zanetti nicht irgendwo am Rand, sie konzipiert nicht im Sinne von purer Reflektion, sie möchte die Arbeit als „treatment“ verstanden sehen, als Möglichkeit zur Genesung durch Anwendung. Das ist mutig. Denn Essstörungen sind nicht zu unterschätzen und bringen Angstzustände, zwanghaftes Verhalten und Selbstverletzung mit sich. Sie sind umfassend: Es ist nicht nur der Körper, es ist der Blick auf die Welt, auf sich selbst und auf Lebensmittel, der in Verzerrungen gefangen ist. Stefania Zanetti weiß das und drückt den Finger geradewegs in die Wunde.eat_emo_pomgranate

Mit geballter Intensität kommen die lichten Fotografien daher und wollen stimulieren, anregen, vielleicht auch ein wenig aufregen. Die begleitenden Worte führen durch den Prozess: „Lass dich gehen“ ist eine Anweisung oder „scuoti, sciogli, frammenta“. Rieche, taste, probiere dich aus! Finde die eigenen Sinne wieder und deinen Instinkt. Nimm dir Zeit …, was berührt dich? Was macht dich leicht, was schwer, komm, spiel mit dem Essen! Es ist der Wille, den Rezipienten aus seinen selbstauferlegten Dogmen zu holen; es ist der Versuch, Anspannung und Angst spielerisch abzubauen, indem der emotionale Aspekt an Essen gesucht und begleitet wird. Hilfe zur Selbsthilfe also. Ebenso wichtig ist der Fotografin jedoch die Vermittlung von bestimmten Prozessen, die betroffene Personen durchlaufen. 

Stefania Zanetti ist eine Frau, die ihr Leben in der Intensität lebt, die es ihrer Meinung nach verdient hat. „Ich lebe von Wahrnehmungen“, sagt sie „vom Nervenkitzel, von kräuselnder Haut, von Wimpernschlägen. Ich mag lauwarme, weiche und flüssige Lebensmittel, ich kann Faulheit nicht ertragen, Dinge, die gesagt und nie getan wurden, mangelnde Transparenz.“ Die Leidenschaft für Fotografie war schon immer da und ermöglichte es Zanetti nach ihrer Ausbildung in Industrie- und ökosozialem Design die eigene Perspektive in Bildern zu konkretisieren. Nach dem Abschluss ihres Studiums assistiert sie dem renommierten Südtiroler Fotografen Marco Pietracupa und unterrichtet aktuell Fotografie an der NABA in Mailand. Ihre fotografischen Rezepte wird Stefania Zanetti  in den kommenden Monaten in einer eigenen Serie auf franzmagazine vorstellen. Starke Bilder, starke Gedanken, starke Frau. Wir freuen uns!eat_emo_pasta

Fotos: Stefania Zanetti

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