Food

December 4, 2018

Frost! #1: Frowin und das Wiesl

Maria Oberrauch

Wintergarten. Manche von ihnen sind zurechtgestutzt, andere ein Überlappen an Verdorren und Verfaulen. Sie sind jetzt auf Wartemodus, sie sind braun und grau, nachdem sie den Farbrausch und die letzten Früchte gelassen haben, die Wiese blasst aus, manche Sträucher ducken sich schon in fröstelnder Erwartung. Der Gemüsegarten liegt einem ausgebrannten Workaholic gleich am Boden, der Kompost ist übervoll mit Welkem und Herbstschnitt, er darf vor sich hindampfen, bis auch die letzten Bewohner in tiefere Erdschichten gezogen sind. – Wenn alles blüht und gedeiht und ganz frisch auf den Tellern landet, ist der Garten uns nah. Wie aber ist es im Spätherbst, wenn es zu kalt wird, um draußen zu sitzen? Wenn nur mehr ein paar Krautköpfe dastehen und ein wenig Mangold, der nie, nie einknicken will und es manchmal doch muss, in den Höhen? Wie viel Zeit verbringen wir noch dort draußen, welche Ideen und Visionen warten auf den Frühling, wie anders fällt die Sonne ein und wirft der Schatten uns ganz plötzlich in den Winter?

franz späht über den Zaun … 

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… bei Frowin Oberrauch und seinem „Wiesl“:

Unkrautvernichter: ja oder nein? Nein

Was blüht in die Vase, was niemals? Ich habe keine Vase

Was kommt am liebsten auf den Teller? Nudeln mit Tomaten, Dinkelpizza, Salat

Findet auch ein ausgewiesenes Unkraut darauf? Ja! Giersch, Brennnessel und Beifuss

Von wem hast du die Schaufel in die Hand gedrückt bekommen? Meiner Mutter

Wie ist der Garten ausgerichtet? Süd-Ost

Wann beginnt im Frühjahr die Gartenarbeit? Ende Jänner/Mitte Februar

Ein wertvoller Tipp Gelassenheit

Kartoffelkäfer pflücken: ja oder nein? Nicht notwendig

Himbeeren mit Wurm: ja oder nein? Nein, wenn rechtzeitig geerntet

Was du niemals pflanzen würdest: F1-Pflanzen

Was du gerne einmal pflanzen würdest: Rosenkohl

Der Zaun, die Mauer: Warum, wie hoch, wie lang? Wenn geht, keiner

Welche Sehnsucht wohnt in deinem Garten? Genuss

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Frost!_herbstwiesl

Das Wiesl erreicht man vorzugsweise mit dem Fahrrad, dafür ist es nämlich da, für die Fluten an Radlbegeisterten, die in den wärmeren Monaten die Kaiserauer Apfelwiesen passieren und einer Erfrischung dankbar entgegen strampeln. Viel Selbstgemachtes kriegt man dort zur Stärkung, ein wenig Rast unter  Kornellkirschen-, Marillen-, Apfel- oder Birnbäumen. Über die Wintermonate ist das Wiesl geschlossen, doch es tut sich noch so allerhand in diesem Artengarten, denn im hinteren Bereich, bald neben Frowins Pferden, reihen sich in Schlangenlinien Himbeerstauden und Rankhilfen für Tomaten aneinander. „Ich möchte diese Zone noch weiter gestalten und im Frühjahr die Gäste zwischendrin hinein setzen. Das macht das, was  wir ihnen dann servieren, doch erst richtig zum Genuss.“ Diese Überlegung ist nachvollziehbar, vor allem, wenn man selbst gerade mittendrin steht und im spätesten Herbst noch von den Stauden pflücken kann. Ich koste Himbeeren, einmal mit Rucola, einmal mit Asia-Salat „… der Asia-Salat ist das Negativbeispiel, der ist zu scharf für die Himbeere, oder?“ Dann gelbe Kirschtomaten, wahnsinnig schmackhafte Hagebutten „… den täglichen Vitamin-C-Haushalt hast du mit einer von denen gedeckt“ und fantastischen Pesto aus Giersch auf Leinsamencracker. Beim selbst produzierten Kornellkirschlikör passe ich. Frowin gräbt Topinambur aus der Erde und ich muss aufpassen, zwischen dem hohen Gras nicht auf Salatköpfe zu steigen. Wenn es um Obst und Gemüse geht, hat er bei allerlei Projekten seine Finger im Spiel: Der Apfellehrpfad in Gargazon, die Initiative Sortengarten Südtirol, die essbare Stadt in Sterzing oder Verkostungen mit dem Raritätenbauer Harald Gasser. „Da tun sich Welten auf, wenn man es ernst nimmt! Sobald man zwei Sachen kombiniert und sei es diese Himbeere mit dem Rucola, entsteht im Grunde schon ein Gericht.“ Als ich gehe, ist mein Rucksack prall gefüllt mit Hardenponts Winterbutterbirne, dem weißen Winterkalvill und weiteren wohlklingenden, vor allem aber ziemlich leckeren Apfel-und Birnensorten. Lieber Garten, cool down und bis zum Frühling dann!

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Fotos: franzmagazine/Maria Oberrauch

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