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August 25, 2016

Startklar! Rosengarten Planet

Franz

PROLOG

‹‹when I grow up, I want to be an astronaut!››

Mit dem Tag, an dem die Menschheit begann, das All als erforsch- und erreichbares Territorium zu verstehen, begannen Kinder überall auf der Welt, davon zu träumen und davon zu schwärmen, selbst einmal Astronaut zu werden.

Nur wenigen ist es jedoch gelungen, diesen Traum in die Wirklichkeit umzusetzen, fremde Galaxien zu bereisen und das Leben eines Weltraumfahrers zu führen. Dieses kindliche, etwas verrückte und visionäre, mutige Bestreben, das wohl später vielen unsinnig erscheint, bleibt jedoch eine schöne Erinnerung an eine magische Zeit, in der selbst die unglaublichsten Dinge möglich schienen, in der Träume die Luft zum Atmen waren und der Drang zu forschen und zu entdecken stärker als alles andere war.

ROSENGARTEN PLANET

‹‹discovered a new planet››

Seitdem es Wissenschaft und Technologie ermöglichen, versucht die Spezies Mensch im Weltraum und auf diversen Planeten unserer Galaxie Fuß zu fassen, Wissen und Erkenntnis zu sammeln und den allzu menschlichen Wunsch zu erfüllen, Unbekanntes zu erforschen und bekannt zu machen: Es geht darum dort, wo noch nie jemand zuvor war, einen Fuß und ein Zeichen zu setzen.  

Die jüngste Entdeckung im Sonnensystem ist Rosengarten Planet: Der bisher unbekannte Himmelskörper muss noch erreicht, betreten und erforscht werden. Die Vorbereitungen für den Flug zum Planeten laufen bereits auf Hochtouren: Eine Gruppe von Erdlingen bereitet sich auf die Reise ins unergründete Territorium vor und nimmt eine konkrete Botschaft an Bord. 

Inspiriert am „Moonshoot Thinking“ von Google* wird die Mission innovative, ambitionierte und visionäre Projekte, in den Weltraum mitnehmen, die bisher auf der Erde noch nicht realisiert worden sind, auf dem Planeten Rosengarten jedoch Gestalt annehmen könnten. 

*Ein „Moonshot“ bezeichnet im technologischen Kontext ein ambitioniertes und innovatives Forschungsprojekt, das ohne jegliche Erwartungen und Gewinnorientierung in Angriff genommen wird. Google hat den Begriff für viele seiner innovativsten Projekte übernommen, die größtenteils Google X entspringen, einer halb-geheimen Forschungsabteilung des Unternehmens. Zu Googles Moonshots zählen unter anderem das Projekt Glass zur erweiterten Realität, autonome Fahrzeuge, das Projekt Wing zur Paketauslieferung per Drohne, Google Brain zur Erforschung künstlicher Intelligenz und das Projekt Calico gegen die menschliche Alterung.

Laut Google ist ein Moonshot ein Projekt, das: 1. ein schwieriges Problem löst; 2. eine radikale Lösung erarbeitet; 3. neuartige Technologien einsetzt.

Der Name „Moonshot“ entstand im Rahmen der Raumfahrtmission Apollo 11, bei der 1969 zum ersten Mal ein Mensch zum Mond geschossen wurde. „Moonshot“ bezieht sich auch auf das Wortspiel „shoot for the moon“ – „große Ziele haben und nach Höherem streben“ bzw. „den großen Wurf landen“. 

*****

‹‹the countdown has begun›› 

Das Raumschiff mit der Destination Rosengarten wird am 17. September 2016 auf dem unberührten Boden des Planeten landen. Die Crew macht sich fertig für die Mission und sammelt Moonshots, die sie auf ihre Reise in den Weltraum mitnehmen wird. 

*****

‹‹pioneering the future in (other)space exploration*››

Raumfahrt und Missionen ins All stehen im Konzept für Rosengarten Planet als Metapher für die Kreativität und Fähigkeit des Menschen, mutig und wegweisend zu sein, Weitblick zu haben und kreative Mittel einzusetzen, die sowohl vom Intellekt als auch von den Technologien Gebrauch machen, um Ideen für eine fruchtbare Zukunft für alle umzusetzen. Der Moonshot von Rosengarten Planet ist ein Loblied auf die visionärsten Köpfe, die couragiertesten Kreativen und all jene, die mit ihren Bestrebungen, ihrem Entdeckergeist und ihrer Klugheit täglich – für die gesamte Menschheit – daran arbeiten, unerforschte Räume, wo alles möglich ist, näher zu bringen. 

Alle kreativen Interventionen der Rosengarten Festa 2016, sowohl Diskussionen als auch Performances und Szenenbilder, kreisen um diese konzeptuelle Galaxie. Am 16. September, dem ersten Tag des Festes, startet das Raumschiff Richtung Weltraum. Am 17. September landet der Mensch, nach einem imaginären Zeitsprung, schließlich auf dem Rosengarten Planet und kommt mit einem anderen, bislang unerforschten, ganz zur Entdeckung stehenden Kosmos in Berührung. 

BUSINESS MODEL 

Die Rosengarten Festa ist – wie viele andere, ähnliche öffentliche Veranstaltungen – mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden: Viele verschiedene Kompetenzen, Netzwerke und Professionalitäten sowie viel Arbeit und Zeit sind notwendig, um ein gutes Gelingen und ein hohes Niveau der Veranstaltung zu garantieren. Neben diesen Grundvoraussetzungen ist auch eine wirtschaftliche Nachhaltigkeit unabdingbar. 

Immer schon war es das Ziel dieser Veranstaltung, Kreativität als Arbeit wertzuschätzen – und, auf das Viertel bezogen, die zahlreichen Studios und Ateliers in Zwölfmagreien in den Mittelpunkt zu stellen: Kreativität als Unternehmensbestandteil und Ressource für Wachstum und Wirtschaftlichkeit. 

Deshalb ist es für die Organisatorinnen der Rosengarten Festa enorm wichtig aufzuzeigen, dass die Veranstaltung nicht nur einen angenehmen Höhepunkt des Stadtlebens bildet, sondern auch vor allem ein nachhaltiges Projekt ist, das alle Involvierten, die mit Professionalität und ihren Kompetenzen an der Umsetzung arbeiten, in kreativer und wirtschaftlicher Hinsicht Anerkennung gezollt wird.

Wie sollen die einzelnen Elemente – Genehmigungen, Bürokratie, Strom, Musik, Essen und Trinken, Dekoration, Kunstaktionen, Organisation usw. finanziert werden, damit  am Ende ein anderes, schönes und eindrucksvolles Fest stattfinden kann? – Diese Frage stand und steht während der Organisation der Rosengarten Festa immer im Mittelpunkt. 

Die bisherigen Ausgaben wurden zum Teil durch öffentliche Beiträge (Gemeinde Bozen, Autonome Provinz Bozen Südtirol, Stadtviertelrat Zentrum-Bozner Boden-Rentsch) und zum Teil von privaten Unterstützern finanziert. Äußerst wichtig waren stets auch die technischen Partner, die die Veranstaltung mit Arbeit und Materialien unterstützt haben. Nicht zu vergessen die fast ausnahmslos ehrenamtliche Arbeit des Organisationsteams. 

Dieses Geschäftsmodell ist jedoch – besonders wenn oben genannte Ziele erreichet werden sollen – unsicher, da es fast ausschließlich auf Freiwilligenarbeit baut. Der Punkt Nachhaltigkeit und Anerkennung von Kreativität als Arbeit mit angemessener Entlohnung kann also zur Zeit nicht als erreichtes Ziel verzeichnet werden. 

Mit der Ausgabe 2015 – der Rosengarten Merenda – wurde während des Festes ein erster Schritt gesetzt, um die Menschen für diese wichtigen, nicht immer offenkundigen Belange zu sensibilisieren: „Die Marende ist keine lebenswichtige Mahlzeit, sie ist ein Plus zum Dreigespann Frühstück-Mittagessen-Abendessen und muss verdient werden. – Wie auch die Rosengarten Festa [und im weiteren Sinn eigentlich jede Veranstaltung in der Stadt] verdient werden sollte. Denn nichts, was aus freien Stücken organisiert wird, wie beispielsweise Projekte oder Initiativen einzelner BürgerInnen oder Gruppen [wie im Fall von franz] sind unabdingbar und naturgegeben im kollektiven, urbanen Zusammenleben einer Gemeinschaft. 
Viel zu oft neigen wir dazu zu glauben, die Dinge würden einfach so passieren, als hätten wir grundsätzlich ein Recht darauf. Aber ist das wirklich so?
Die ROSENGARTEN MERENDA ist eine Einladung und Aufforderung zur Aktion: Das heißt Ärmel hochkrempeln und sich die Wunschstadt verdienen. Die Stadt, in der diese Veranstaltung stattfindet und viele weitere, kommende, die wir uns wünschen; die Stadt des kreativen Viertels und des Zeitgeistes, der sich in Richtung einer Gemeinschaft gemeinsamer Räume, Projekte und der gemeinsamen Vorstellung entwickelt, sich zu verändern, entwickeln und verbessern.“

Rosengarten Planet – die Ausgabe, die in Planung ist – strebt noch mehr in diese Richtung: Auch und vor allem, da wenige Monate vor dem Termin die Finanzierungen und Einnahmen weit davon entfernt sind, die für die Veranstaltung notwendigen Spesen zu decken. 

Das neue Geschäftsmodell wurde ausgehend von den Inputs des franzmagazine-Teams während eines Brainstormings mit kreativen Unternehmern des Zwölfmagreinerviertels erarbeitet: Es sieht eine Online-Plattform vor, auf der klar und transparent alle Kosten, die zur Organisation und Umsetzung der  Veranstaltung notwendig sind, angezeigt werden. 

Auf der Online-Plattform www.theraisingplanet.com, programmiert von pixxelfactory, werden die einzelnen Komponenten des Festes dargestellt – beispielsweise Bands, WCs, Workshops für Kinder, eine Performance usw. Beim Darüberfahren mit der Mouse wird erkennbar, was genau geplant ist und wie viel Geld zur Umsetzung benötigt wird. Die BenutzerInnen der Plattform – BürgerInnen, aber auch Unternehmen und Geschäftsleute – haben die Möglichkeit, das Fest finanziell zu unterstützen und einen festgelegten Betrag zu spenden. Was genau finanziert wird, bestimmen die Prioritäten der Rosengarten Festa, d. h. vorrangig kreative Projekte, da diese ausschlaggebend für die Einzigartigkeit des Festes sind, und wird von den Veranstaltern festgesetzt. Sobald die nötige Summe, beispielsweise für eine Band, erreicht ist, erscheint auf der Website ein dementsprechendes Signal. Eine Statusanzeige von 0–100 % zeigt den aktuellen Stand an. 

Sowie die nötigen Beiträge zusammen sind, werden die einzelnen Elemente des Festes frei geschalten und in die Tat umgesetzt. Was finanziell nicht unterstützt wird, wird auch beim Fest nicht stattfinden oder präsent sein. Die BenutzerInnen selbst, stets auf dem Laufenden und informiert, sind somit selbst aktiv an der Programmgestaltung der Veranstaltung beteiligt.

Dieses Geschäftsmodell will in erster Linie vor allem auf innovative Art und Weise die Öffentlichkeit sensibilisieren und ein kollektives Bewusstsein schaffen, was die Arbeit aller Involvierten sowie die wirtschaftlichen Anforderungen einer Veranstaltung dieser Dimension betrifft. 

Das Onlineportal wird eigens für diesen Zweck programmiert und kann später auch von anderen (Organisatoren) benutzt werden, die mit denselben Problemen konfrontiert sind. Die Botschaft oder der Punkt ist, dass Veranstaltungen, wie beispielsweise die Rosengarten Festa, nicht selbstverständlich sind. Wenn es sie gibt, dann nur, weil jemand entschlossen dafür arbeitet. Berufskreative, also Menschen, die das Kreativsein zu ihrem Beruf gemacht haben, brauchen eine finanzielle Absicherung, wenn sie ein Projekt in Auftrag nehmen – nicht profitorientiert, sondern für die geleistete Arbeit fair entlohnt. 

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