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March 29, 2016

‘Da Da Da’ in Schlanders: Trio-Schlagzeuger Peter Behrens

Kunigunde Weissenegger

Er war seiner Zeit weit voraus, ist einer der Begründer der Neuen Deutschen Welle, denn er war der Schlagzeuger der Band Trio – genau, das ist die, mit dem Nummer-Eins-Hit und Ohrwurm “Da Da Da, ich lieb dich nicht, du liebst mich nicht”. Vom erfolgreichen Bandmitglied schlitterte er in die Abgründe des Musikbusiness, wurde zum Sozialfall und schrieb mit Co-Autor Klaus Marschall ein Buch darüber: Der Clown mit der Trommel” gewann 2014 den Deutschen Biografie Preis. 
Am Donnerstag, 31. März 2016 erzählt Peter Behrens ab 19.30h auf Einladung der KVW Jugend in einem außergewöhnlichen Veranstaltungsort, nämlich der Feuerwehrhalle in Schlanders, mehr von seinem Leben. Live spielt die Oberschulband und es gibt Kultobjekte von Trio zu ersteigern. Peter Behrens und Klaus Marschall haben wir vorab mit ein paar Fragen erreicht: ein Gespräch darüber, wo er heute Schlagzeug spielt, wie’s bei den Lesungen zugeht und mit wem er damals so um die Häuser gezogen ist.

Peter Behrens, was passiert denn bei den Lesungen des Buches? 

Peter Behrens: Wir versuchen ein abwechslungsreiches Programm zu gestalten, in dem nicht nur gelesen wird, was Klaus übernimmt, sondern auch Gespräche geführt und von mir Geschichten erzählt werden. Zur Auflockerung erfolgen auch noch kurze Einspieler von Trio-Songs, denn das Publikum soll auch akustisch ein Bild davon bekommen, wovon bei Trio überhaupt die Rede ist. Zum Schluss ist es angedacht, die Leute zu Wort kommen zu lassen, indem sie mir Fragen stellen, die ihnen unter den Nägeln brennen. Schließlich bin ich kein Abgehobener. Ich will den engen Kontakt mit den Menschen.

Wie reagieren die Leute? 

Peter Behrens: Vornehmlich ist zu erkennen, dass sie in seeliger Nostalgie schwelgen. Sie scheinen zu denken: “Ach ja, so war das damals. Trio war schon ein lustige Truppe und, dass ich noch einen von denen live erleben darf… Wahnsinn!” Die Menschen sind mir sehr wohlgesonnen, haben eine schöne Zeit, transportieren sich gedanklich in die Vergangenheit und fühlen sich einfach wohl. Das ist schön zu sehen.    An welche Szene erinnern Sie besonders gern? 

Peter Behrens: Mir fallen spontan zwei Szenen ein, obwohl es sicher noch mehrere gab. Da ist zum einen der Trio-Auftritt im Amphitheater in Verona zu nennen – ich glaube, das war im Jahr 1983 – als bei einem Festival 30.000 fanatische Tifosi auf “Da Da Da” wild abfeierten. Da stellten sich mir die Nackenhaare hoch, so sehr beeindruckte es mich.
Dann stechen noch die USA-Auftritte von Trio hervor. Wir haben wirklich anerkannte Stars in der internationalen Musikszene beeindruckt wie Randy Newman oder Yoko Ono. Joe Jackson wollte uns sogar mit auf seine US-Tour nehmen, so sehr war er von uns angetan. Diese Anerkennung genoss ich sehr. Hätten wir diese günstigen Vorzeichen doch besser genutzt… wir wären vielleicht international dauerhaft bekannt geworden. 

Was ist Ihnen die liebste Erinnerung in Ihrem Leben?

Peter Behrens: Da sind ganz klar zwei Dinge zu nennen: 1. Meine Zeit mit Trio und all den damit verbundenen Erlebnissen inklusive zum Beispiel Sauftouren mit Falco oder das Leben im Luxus. 2. Von den harten Drogen wie Heroin losgekommen zu sein. 

Peter Behrens war ein Star. Ist er es noch? Wieder? Wer ist er heute?

Peter Behrens: Sicherlich bin ich kein Star mehr wie damals, aber ich habe immer noch vergleichsweise hohen Wiedererkennungswert. Menschen wollen immer noch Fotos mit mir machen oder Autogramme haben. Außerdem rückt meine Autobiografie mich wieder in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, für die Klaus Marschall und ich 2014 sogar den “Deutschen Biographiepreis” erhielten, und ich bekomme regelmäßig Anfragen für Lesungen. Also muss ich wohl für einen Teil der Menschen noch interessant sein. 
Nach Jahren der Orientierungslosigkeit besitze ich durch Lesungen, Konzerte, Menschen, die sich um mich kümmern und andere Anfragen wieder Struktur im Leben, wofür ich sehr dankbar bin.  Wo spielen Sie heute Schlagzeug?

Peter Behrens: Zum Teil spiele ich Schlagzeug bei Lesungsveranstaltungen. Auf Anfrage gebe ich zusammen mit Ecki S. auch ganze Konzerte (Trio-Songs und andere Hits der Neuen Deutschen Welle), mit dem ich auch den Titel “I am the nowhere man” aufgenommen habe.

Wie ist es, sich an all das Erlebte zu erinnern?

Peter Behrens: Es sind vielfach schöne Erinnerungen, aber ich bin damit nicht mehr stark emotional verwachsen. Es ist vorbei. Jetzt zählt die Gegenwart, wie zum Beispiel die Lesungen.

Warum dieser Titel “Der Clown mit der Trommel”? Wie viel Wahrheit steckt bereits im Titel? Und dann im Buch? 

Peter Behrens: Nun ja, ich habe in Mailand tatsächlich Ende der 70iger eine Ausbildung zum Artisten gemacht, Spezialgebiet Clownerie, die auch zertifiziert ist. Und bei Trio habe ich ganz bewusst die Rolle des mimik-armen, stoischen Clowns eingenommen, welches mein Bild nach außen entscheidend geprägt hat. Also Ausbildung: Clown; Trio: Schlagzeug – von daher ist der Titel naheliegend. Klaus Marschall + Peter Behrens in Bonn Und eine Frage an beide, Klaus Marschall und Peter Behrens: Woran erinnern Sie sich gerne, wenn Sie an die Zusammenarbeit für das Buch denken?

Klaus Marschall: Für mich war es natürlich ein Riesenerlebnis, ein Idol meiner Jugend kennenlernen – und sogar ein Buch mit ihm schreiben zu dürfen. Man darf nicht vergessen, dass ich als Mathe- und Chemielehrer eigentlich mit dem Verfassen von Büchern nichts am Hut habe. Ich bin in diese Szene einfach hineingerutscht, weil mich der Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag darum gebeten hatte, nachdem ich den Vorschlag unterbreitet hatte, ein Buch mit Peter zu machen. Demgemäß war es ein doppeltes Abenteuer: Kennenlernen von Peter und Schreiben eines Buches.

Peter Behrens: Für mich trat etwas ein, was eine Wahrsagerin mir bereits in den 1980igern in München prophezeit hatte, und zwar, dass ich ein Buch schreiben werde – schon komisch. Viele hatten mir bereits gesagt, ich solle eine Autobiografie schreiben, weil ich so viel zu erzählen hätte, aber ich habe mich nie recht getraut. Umso mehr freute es mich, dass es 2012 endlich daran ging, das Projekt in Angriff zu nehmen, was ich als schöne Genugtuung empfand. Das erfüllte mich mit Stolz.  

Warum sollten wir das Buch lesen? Und kaufen? 

Wir denken, dass das Buch eine schöne, nostalgische Reise vor allem durch die 1980iger und dort insbesondere durch den Anfang jener Dekade ist. Die LeserInnen werden sich angenehm an viele typische Erlebnisse erinnern und über viele Anekdoten schmunzeln können. Das alles hängt sich an eine sympathische (so werde ich, Peter, ja allgemein empfunden), prominente Person, die stellvertretend ihre Sicht der Dinge liefert. Nicht vergessen werden darf dabei, dass neben all den warmen Rückblicken auch die harte Seite des Lebens geschildert wird (Erfolgsabsturz, Drogen). Somit durchfährt der Leser zahlreiche Gefühlssituationen, was das Ganze so abwechslungsreich gestaltet.

Foto: Klaus Marschall

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