Music

October 13, 2015

Kaltern poppt: Indoor Music Festival als “immaterielles Grundnahrungsmittel”

Kunigunde Weissenegger

Endlich kann auch Südtirol sich in ihrem listigen Hüftschwung wiegen: Wanda kommen! – Ja, genau, das sind die mit “Amore” bzw. “Bologna” und “Bussi Baby” und “den Flaschen von gestern” in “Meine beiden Schwestern“. Wahn[da]sinn eben, wie schon Lex W. schrieb. Wer kommt noch zu Kaltern Pop? – Sophie Hunger, die alles-auf-einmal poppige, sphärische, jazz-folkige Schweizerin mit neuem Album “Supermoon“. Heisskalt kommen auch, autsch, ihr habt es “Nicht anders gewollt”! Alles gut! Poppy Ackroyd, Stargaze oder The Franklin Electric für die etwas Romantischeren  – das hat Kaltern Pop auch im Keller – denn neben dem Weinmuseum stehen in Vereinshaus und Franziskanerkirche die Konzertbühnen. Und im KUBA wird zu Anfang dieses Indoor Festivals gelesen [Norbert Niemann am 15.10. um 15.00h] und dreimal in die Nacht geclubbt. Tanzt auch zu Grandbrothers oder Champs und wiegt euch zu All The Luck In The World oder Lilly Among Clouds. Heimvorteil haben Max von Milland, Ganes, The Artificial Harbor und Lois Lane. Wie gibt’s das? Und was hat sich der Festival-Macher Stefan Reichmann eigentlich dabei gedacht, als er genau Kaltern [an der Weinstraße] für ein Wochenende zur Pop-Hochburg [Achtung, es gibt nur 950 Tickets] auserkoren hat? – Haben wir ihn gefragt! – Er ist übrigens zusammen mit Wolfgang Linneweber auch der Organisator von Haldern Pop in Nordrhein-Westfalen.

Stefan, wie kommt ihr denn nach Kaltern? Was hat Pop mit Kaltern am Hut? Bloß der schöne “Reim” Haldern–Kaltern kann’s nicht sein, oder? 

Das wäre schon sehr naiv…  Obwohl das ja manchmal auch reizvoll sein kann, die Dinge aus einer gewissen Naivität heraus zu starten. Wie zum Beispiel das Haldern Pop Festival Anfang der 80er Jahre: Wir hatten damals nur die Lust, etwas gemeinsam zu tun und Musik, die uns interessierte, war dabei die Klammer. Wir haben über die Jahre erkannt und gelernt, dass ein gutes Festival von den Beziehungen zum Ort, den KünstlerInnen und BesucherInnen lebt. Hier in Kaltern kam der Impuls aus dem Dorf und die Auftrittsorte, die Lage und Südtirol im Herbst fanden wir auch äußerst spannend. Und so reifte die Idee in diesem Kontext etwas Faszinierendes zu veranstalten. Die passende Musikfarbe für die entsprechenden Orte zu finden und in Kaltern selbst eine Begeisterung zu entfachen waren dafür die ersten Schritte.Worum geht’s euch als Veranstalter bei Kaltern Pop?

Wir glauben an die außerordentliche Kraft der Musik als kultivierenden und inspirierenden Impuls; ein immaterielles Grundnahrungsmittel in einer zunehmend materialistisch konsumierenden Welt. Das Lied ist ja auch so etwas wie die ‘Nuss’ – oder in Südtirol die Marroni –  als Wintervorrat. Da verdichtet sich beim Törggelen das Erlebte zu Geschichten, die man sich immer und immer wieder erzählen will. Mich begeistert die Idee, dass man Zuversicht durch gemeinsam erlebte bezaubernde Momente gewinnt, in denen Orte, Menschen und Musik im Zusammenspiel verschmelzen. In Kaltern scheinen uns für solche Erlebnisse wunderbare Voraussetzungen gegeben. Wir erleben jedenfalls schon eine große Begeisterung und Vorfreude.Und worauf sollten wir uns gefasst machen? Wie bereiten wir uns am besten mental auf das Festival vor? 

Dieses Festival ist gänzlich von Hausaufgaben befreit, aber man sollte sich ruhig neugierig für seine Wunder öffnen. Und ich bin mir sicher, dass alle etwas Besonderes mit nach Hause nehmen werden. Die KünstlerInnen freuen sich schon riesig, genau wie wir uns auf dieses Abenteuer in Südtirol freuen. Es ist ein Experiment, das wir gerne weiter verfolgen würden. Zeitgenössische Musik mit den herrlichen Attributen dieser Landschaft, diesen netten Menschen und ihrer ausgeprägten Eigenart zu verzieren, ist außergewöhnlich und sehr spannend. 

Unbedingt-Empfehlung am Ende – was sollten wir nicht versäumen?

Man sollte jedem der Aufführungsorte, dem Weinmuseum, dem Vereinshaus, dem KUBA und der Franziskanerkirche ein offenes Ohr schenken. Bei den KünstlerInnen würde ich die seltenen und seltsamen Konzerte von Loney Dear, Chad Lawson, Lubomyr Melnyk, The Slow Show und der grandiosen Sophie Hunger empfehlen. Zu Wanda braucht man ja nicht mehr viel sagen und auch Ganes sind für euch Südtiroler längst keine Unbekannten mehr. Empfohlen sei aber in jedem Fall, dies alles mit viel Muße, gutem Wein und Essen zu verbinden, sich Zeit zu nehmen und das Smartphone mal für ein paar Stündchen zu vergessen.

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