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December 18, 2014

Filz kann auch anders: Edyta, Geschäft + Werkstatt in Meran

Text Judith Ralser
Photography David Klotz

Wie stellt ihr euch ein gefilztes Kleidungsstück vor? – Dicker Stoff und schwer? Altertümliche Hüte vielleicht, wie ihr sie von euren Großeltern kennt? – Filz kann auch anders! Filz kann modern sein, elegant, schmeichelnd.Edyta Meran - David KlotzDer Beweis: Ich probiere einen Mantel an. Er ist hellbraun und fällt bis über meine Knie, reicht beinahe bis an die Knöchel. Mit einem fragenden Blick überlege ich mir, ob ich den überhaupt anziehen könnte. Kaum hineingeschlüpft verfliegen die Zweifel. Der Mantel umschmiegt mich wie eine zweite Haut – wortwörtlich. Im Gegensatz zu gängigen Mänteln spüre ich kein Gewicht, so als hätte ich ihn gar nicht mehr an. Und er gefällt mir – richtig gut.Edyta Meran - David KlotzWir befinden uns in Edith Hofers Geschäft und Werkstatt “Edyta” in Meran. Hier entsteht Filz in einer Dimension, die den meisten nicht bekannt sein dürfte: Im Zusammenspiel mit feinen Seiden- und Baumwollstoffen werden Kleider, Mäntel, Jacken, Accessoires geschaffen. “Ich designe alles selbst,” erzählt Edith Hofer. Edyta Meran - David KlotzIhr Arbeitsstoff ist dabei hauptsächlich Wolle. Feine Merinowolle, die sie von kleineren Händlern und Züchtern in Südamerika und Frankreich bezieht. Sie färbt sie selbst mit rein ökologischen Farben. Das eröffne ihr viel mehr Möglichkeiten als bei schon vorgefärbten Wollen, findet sie. Verschiedenste Farben können gemischt und in Verläufen gezeigt werden: “Diese Farbverläufe sind mein Stil. Sie machen die Lebendigkeit und Einzigartigkeit der Kleider aus, weil sie nicht wiederholbar sind.”Edyta Meran - David KlotzIm hinteren Bereich des Geschäftes arbeitet sie gerade an einem Kleid. Auf einem Seidenstoff entsteht ein Muster aus hauchdünnen Kringeln. Hier erklärt uns Edith Hofer, wie ihre Filztechnik funktioniert: Die feine Wollfasern greifen durch den Seidenstoff und verbinden sich untrennbar damit – und das allein durch mechanische Kraft. Eine faszinierende Technik, älter noch als das Weben von Stoffen. Edyta Meran - David KlotzSeit rund 20 Jahren wird diese Arbeitsweise in Europa von einer Gruppe von Personen wieder aufgegriffen, weiterentwickelt und verfeinert: “Jede Person findet ihren eigenen Weg, es gibt ein unglaubliches Universum der Kreativität. Mein Methode ändert sich ständig – neue Ideen und Experimentierlust spielen eine wichtige Rolle.”Edyta Meran - David Klotz“Manchmal wird meine Kleidung auch Slow Fashion genannt.” – Das komme daher, dass sie sich viel Zeit für die KundInnen, deren Wünsche und die Beratung nehme und auch die Herstellung eines jeden Stückes seine Dauer hat. Nichts wird hier schnell ausgesucht und verkauft. Ein jedes Kleid, jede Jacke muss passen. Nur schön zu sein, ohne angenehm zu sitzen, das gehe nicht, und Funktionalität sei ebenso wichtig.Edyta Meran - David KlotzDa wird auch einmal in Absprache mit dem Kunden ein Kleidungsstück völlig neu geschaffen, farblich, gestalterisch, persönlich angepasst. Und manches hat seine_e BesitzerIn noch nicht gefunden, sondern wartet noch auf jemanden, der bzw. dem es ein treuer und schicker Begleiter sein wird.

Beim Hinausgehen werfe ich einen Blick zurück auf das grüne Kleid, das mir gleich als erstes aufgefallen ist. Vielleicht komme ich bald wieder einmal vorbei, sage ich im Stillen zu mir.

Edyta
Mainhardstraße 22d
Meran
www.edyta.it
www.facebook.com/lebensartmeran 

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