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July 14, 2014

Der Mensch als Schädling – “Arche. Eine Festung für Tiere” @ Franzensfeste

Christine Kofler

Bei der Eröffnungsrede zur Ausstellung “Arche. Eine Festung für Tiere” sprach der Kurator Heinrich Schwazer auch über seine persönliche Verbindung mit Franzensfeste. Als Kind sei er oft mit seiner Mutter am einstigen Verladebahnhof für Tiertransporte in Franzensfeste gestanden und hätte mit den Tieren mitgelitten, die tagelang unter der gleißenden Sonne in Waggons eingesperrt waren. “Seitdem”, so Schwazer, “war Franzensfeste ein Ort für mich, wo Tiere leiden”. Nun hat Schwazer mit zahlreichen Künstlerinnen in der Festung Franzensfeste eine temporäre “Arche für Tiere” geschaffen. Zwar werden dort keine Tiere vor der Schlachtbank gerettet, aber immerhin wird die fast 180 Jahre alte Festung zum Ort des Nachdenkens über das Verhältnis zwischen Mensch und Tier und damit auch – fast zwangsläufig – über die Beziehung zwischen Mensch und Natur und den Naturbegriff überhaupt. Die biblische Tiererzählung der Arche zieht sich leitmotivisch durch die Ausstellung und rund 40 KünstlerInnen reflektieren, erkunden, und versuchen sich am zentralen Thema: “Brauchen wir eine neue Arche? Und wie wird diese aussehen?”.Erich Kofler Fuchsberg. Mami bringt schlechte Nachrichten - Mamma porta cattive notizieErich Kofler Fuchsberg. Mami bringt schlechte Nachrichten – Mamma porta cattive notizie – (c) Christine Kofler

Wie sieht die Arche Noa der Zukunft aus?

Die weiterführenden Gedanken der KünstlerInnen sind dabei so vielfältig wie das Thema selbst – Biodiversität und Klimaerwärmung oder die Grenze zwischen Tier und Mensch: Der Betrachter entdeckt auf seinem Rundgang durch die Festung, die selbst einer Arche gleicht, immer wieder neue Aspekte eines breit gefassten Themas. Arnold Mario Dall’O hinterfragt mit einer ungewöhnlichen Körpersprache von Hasen die Zuschreibungen von Tieren, während Simon Rauter die BesucherInnen zwischen Maulwurffallen umhertappen lässt und sie damit selbst zu “Schädlingen” macht. Oscar Verant bringt mit seiner großformatigen Fotoserie “TieRauMensch” die Absurdität der Haustierhaltung auf den Punkt, Iris Schieferstein erschafft mythologische Figuren aus toten Tieren und Erich Kofler Fuchsberg fragt mit seiner Installation danach, wer den Tieren eigentlich die frohe Botschaft überbracht hat, dass sie keine Seele haben. Werner Herzogs Film “Die Höhle der vergessenen Träume” führt über die 35.000 Jahre alten steinzeitlichen Tiermalereien der Chauvet-Höhlen zurück zu den Ursprüngen der darstellenden Kunst. In Linda Jasmin Mayers Audio-Collage ist die Natur eine Projektion, wie das leuchtende Grün am Ende des Tunnels, der aus dem dunklen Raum führt, in dem BesucherInnen Interview-Versatzstücke hören. Von tausenden Reissorten, so erfährt der Besucher unter anderem, essen wir in unserem Leben gerade mal vier oder fünf.Iris Schieferstein. MEDUSA au der Serie - MEDUSA dalla Serie LIKE HUMAN BEINGIris Schieferstein. MEDUSA au der Serie – MEDUSA dalla Serie LIKE HUMAN BEING – (c) Christine Kofler

Der “Tresor des jüngsten Gerichts”

Um die Biodiversität für kommende Generationen zu erhalten – auch darüber gibt die Ausstellung Auskunft –, wurden im ewigen Eis in der Polarinsel Spitzbergen am Nordpol drei riesige erdbebensichere Hallen errichtet. Und auch Atombomben, Fluten oder Feuersbrünste können dem wichtigsten Kühlschrank der Welt nichts anhaben. Der “gefrorene Garten Eden” wurde gebaut, um der Apokalypse zu trotzen. Sollten Naturkatastrophen die Erde beuteln, liegen in den frostigen Vorratskammern etwa drei Millionen Pflanzensamen bereit, um mit dem Anbau von Nutzpflanzen ganz von vorne beginnen zu können. Sieht so die Arche des 21. Jahrhunderts aus? 

Weil die Festung unter Denkmalschutz steht, durften die KünstlerInnen kaum Änderungen an der Lokalität vornehmen und es ist – trotz dieser Einschränkung und den teilweise schweren Räumen, die im Hintergrund noch eine ganz andere Geschichte erzählen – eine äußerst vielfältige Ausstellung entstanden, die noch bis zum 31.10.2014 besucht werden kann.  Allerdings sollten BesucherInnen mindestens einen halben Tag Zeit mitbringen, um die vielen Arbeiten auch ver-arbeiten zu können. 

Foto: Arnold Mario Dall’O Politics. Point, ED. 6+1 – (c) Christine Kofler

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