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May 16, 2014

Stefan Fabi in der Galerie Offizin S. in Meran: Typesse/Frauenzimmer

Kunigunde Weissenegger

Die Offizin S. in Meran dürfte vielen bekannt sein: Die Werkstatt für Literatur, Typographie und Graphik betreibt und pflegt das handwerkliche Setzen mit Bleibuchstaben und das handwerkliche Drucken, bietet Künstlerinnen und Künstlern seit Jahren Gelegenheit, ihre Holz-, Linol- oder Kartonschnitte im Hochdruckverfahren zu drucken und gibt unter anderem bibliophile Editionen heraus.  

Seit Samstag, 10. Mai 2014 hat Offizin S. nun eine Galerie, in der sie Ausstellungen mit Schwerpunkt Graphik zeigt und gleichzeitig auch einen Beitrag zur Aufwertung des ältesten Meraner Stadtviertels Steinach leistet. Siegfried Höllrigl und sein Galerieteam, Renate Cuzzetti, Barbara Höllrigl und Brigitte Widner, haben als ersten Künstler Stefan Fabi  in die seit 1873 unveränderten Räumlichkeiten eingeladen: “Typesse/Frauenzimmer“  heißt seine Ausstellung und präsentiert Holzschnitte und Objekte. Im Rahmen der  Vernissage wurde auch ein neuer bibliophiler Sonderdruck aus der Offizin S. erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, wofür Stefan Fabi zum zweiten Mal mit der österreichischen Schriftstellerin Friederike Mayröcker zusammen gearbeitet hat. Am 17. Mai 2014 zeigt der Marlinger Künstler auf einer der Pressen der Werkstatt die handwerkliche Entstehung eines seiner Werke. Wir haben Stefan Fabi zum Interview gebeten.Stefan Fabi - Typesse:Frauenzimmer - PlakatStefan Fabi, wie arbeitest du – welche Themen inspirieren dich?

Ich bin über die Malerei zum Holzschnitt gekommen und habe in ihm für mich eine ideale Technik gefunden. Zum einen, da er etwas Definitives, nicht mehr Revidierbares hat, und zum anderen, weil er im aufwendigen Entstehungsprozess durch die einzelnen Arbeitsschritte (Entwurf, Schnitt, Druck) eine Kontrollfunktion inne hat, d. h. ein guter und sauberer Druck setzt eine klare Linie voraus. Der Holzschnitt gibt mir die Möglichkeit,  meinen Ausdruck auf das Wesentliche zu reduzieren, um eine klare und einfache Aussage zu treffen. Ich kann somit die erhaltenen Eindrücke verarbeiten und durch die tägliche, konstante Arbeit im Atelier wieder zum Ausdruck bringen. Dieser Prozess lässt mich in und mit der Kunst wachsen. Dabei spielt das Leben in der Gemeinschaft und die Unterstützung durch meine Familie und meine Frau eine wichtige Rolle. Sie halten mir sozusagen meine Aufgaben für den Alltag vor die Nase und der entstehende Druck zum Erhalt dieser Gemeinschaft ist gegeben. Auch mein enger Bezug zur Literatur und dem geschriebenen Wort hat für mich eine große Bedeutung. Der ständige Austausch und die Zusammenarbeit mit Literaturschaffenden wirkt auf meine Arbeit befruchtend und rundet sie ab. Galerie Offizin s MeranWie ist es, als erster Künstler in der neuen Galerie der Offizin S. auszustellen?  

Der Kontakt zur Offizin S. und Siegfried Höllrigl ist für mich und meine Arbeit wesentlich. Die Offizin, mit seiner wichtigen Rolle in der kunstliterarischen Szene, ist mir Ansporn, sicherer Rückhalt und gibt mir Anlass und Inspiration für immer neue Arbeiten. Was die Galerie der Offizin S. angeht, so muss man sagen, dass diese bereits vor ca. 10 Jahren entstanden ist. Schon damals hat Siegfried Höllrigl einige Ausstellungen organisiert. Mit meiner Ausstellung wird diese Galerie also wiederbelebt oder, besser gesagt, weitergeführt. Nichts desto trotz ist es für mich etwas ganz Besonderes, in diesem Haus in Zusammenarbeit mit dem neu gebildeten Galerieteam, Renate Cuzzetti, Barbara Höllrigl, Brigitte Widner und Siegfried Höllrigl eine Ausstellung zu machen.Galerie Offizin s Meran“Typesse/Frauenzimmer” ist der Titel deiner Ausstellung – was können wir uns darunter vorstellen? 

Der Begriff Frauenzimmer in seiner mittelhochdeutschen Form vrouwenzimmer stand früher sowohl für den Personenkreis um die Ehefrau und die weiblichen Angehörigen des Herrschers als auch für das Logis dieser Gruppe. Seit jener Zeit hat sich einiges verändert und diese Tatsache war Anlass für mich, dieses Thema aufzugreifen. Das Herantreten an einen Menschen oder das Betreten eines Raumes, eines im Geschlecht, der Aussage klar definierten Menschen/Zimmers und das Aufeinandertreffen/Zusammenstoßen mit einem solchen Menschen/Raum ist Inhalt dieser Ausstellung. Es geht mir um die klare Definition des Gegenübers im Kontakt zu mir selbst. Ich betrete (durchdringe) den Raum, das Äußere und nehme das Mobiliar das Innere wahr. Ich verlasse den klar vordefinierten Rahmen und begebe mich in das Interieur, das Innenleben, das effektiv Räumliche. Und dieses Räumliche spiegelt sich auch in meinen Arbeiten wieder. Die Ausstellung ist auf 4 Räume aufgeteilt und führt vom Raum A, in dem die 2 x 1 m großen wandanliegenden auf Leinwand gedruckten Holzschnitte hängen, bis zum Raum D mit seinen Objekten und Skulpturen. 

Stefan Fabi, geboren 1978 in Meran (I), freischaffender Künstler, verheiratet, 4 Kinder, lebt und arbeitet in Marling. 1995 Bezug des ersten Ateliers. 1997 Reifediplom an der Oberschule für Geometer Peter Anich, Bozen (I). 1999–2001 Praktikum bei Arch. Leo Gurschler, Schlanders (I). 2001 Kontakt mit der Offizin S., Werkstatt für Literatur, Typographie und Graphik, Meran (I). Entstehung der ersten Holzschnitte. 2002 Treffen mit der Schriftstellerin und Lebensgefährtin von HAP Grieshaber Margarete Hannsmann, Stuttgart (D). 2003–2008 Selbständige Tätigkeit als Geometer. 2007 Vergrößerung des Ateliers. Kontakt mit dem Typografen Josua Reichert, Haidholzen (D) und dem Künstler Prof. Peter Prandstetter, Rum (A). 2009 1. Zusammenarbeit mit Friederike Mayröcker, Wien (A). 2012 Arbeitet an großformatigen Holzschnitten. 2013 Verwirklicht dreidimensionale Objekte. Ausstellungstätigkeit seit 1996. 

Foto: Stefan Fabi  

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