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February 4, 2013

Lincoln

Renate Mumelter

Abraham Lincoln war ja ein toller Typ. Der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hat die Sklaverei abgeschafft. Im Andreas-Hofer-Jahr ist 1809 er geboren. 2009, 200 Jahre später trat der erste farbige US-Präsident sein Amt an. Wer mehr über Lincolns Leben erfahren möchte, dem kann der spannende biografische Roman „Ewig ist die Liebe“ von Irving Stone weiterhelfen. Steven Spielbergs „Lincoln“ ist weniger spannend. Er schildert die Wochen des Jahres 1865, in denen Lincoln mit viel politischem Geschick den 13. Zusatzartikel der US-Verfassung zur Abschaffung der Sklaverei durch das Parlament brachte. Kurz darauf wurde er ermordet. Steven Spielberg kann von Glück reden, dass Daniel Day Lewis einen äußerst überzeugenden Lincoln abgibt. Das macht den sehr gesprächigen Film einigermaßen erträglich. Die klassischen, düsteren Bilder haben Qualität, ohne besonders zu sein, die Musik tönt zwischen getragen und bombastisch, der Inhalt ist eher ein Lehrstück als ein Kinostück. Es wird vor allem geredet, verhandelt, ausgehandelt, wie das eben so ist in einer Demokratie. Zwischendurch gibt es die Schauplätze des blutigen Sezessionskrieges zu sehen, und der Präsident wird – sehr menschlich – zu Hause gezeigt. Das Interessante an „Lincoln“ ist also nicht das Filmische sondern die Botschaft, dass nämlich große Errungenschaften der Menschheit, wie eben die Abschaffung der Sklaverei, wenn sie auf demokratischem Wege erreicht werden wollen, nur mit viel Geduld, zähem Ringen, klugen Verhandlungen und etwas Bauernschläue zu haben sind, vorausgesetzt, man ist zutiefst überzeugt von seinem politischen Ziel. Auch etwas Korruption säumt den Weg dorthin, weil es offensichtlich immer genügend Menschen gibt, die sich kaufen lassen. Nur gemeinsame, demokratische Bemühungen schaffen Großes für die Menschheit, das ist die Botschaft von Spielbergs Hohelied auf die Demokratie in einer demokratiemüden Zeit. Das gilt übrigens nicht nur für die USA.

Lincoln (USA, 2013), 150 Min., Steven Spielberg. Mit Daniel Day Lewis, Sally Field. Bewertung: Loblied auf die Demokratie

Erschienen in der Südtiroler Tageszeitung vom 2./3.2.2013

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