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November 18, 2011

Silberne Kraxe. Alternativer Bürgerpreis vergeben

Kunigunde Weissenegger

Wer kennt sie nicht, die beiden Pusterer Artbrothers KraxentrougaArmin Mutschlechner und Luis Seiwald. Vor 14 Jahren machten sie das erste Mal mit der Kunstaktion 0 auf sich aufmerksam. Der letzte Streich der beiden ist nun der alternative Bürgerpreis Silberne Kraxe.
Als einer der beiden, Armin Mutschlechner vor fünf–sechs Jahren mit einer netten Begründung für die Verdienstmedaille des Landes Tirol vorgeschlagen und vom Landeshauptmann abgelehnt wurde, weil man dafür erst einmal 50 Jahre alt sein muss, reichte es den beiden. Offiziell dankt Südtirol nicht. „Es gibt junge Leute, die einfach machen und tun und etwas bewegen,“ meinen die Kraxentrouga. Was ist mit diesen engagierten Menschen in Südtirol, die aktiv sind? – Der Anstoß für den alternativen Bürgerpreis war gegeben. Und sie beschlossen, ab 2011 alle zwei Jahre den Alternativen Bürgerpreis Die Silberne Kraxe in Erinnerung an Georg Engl zu vergeben – als Anerkennung an Personen oder Initiativen, die nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen.

Georg Engl, der heuer Ende März verstorben ist, war ebenso ein engagierter Südtiroler und hätte sich laut Kraxentrouga diesen Preis auch verdient. – Er war Bauarbeiter, Lehrer, Schriftsetzer, Lektor, Literaturkritiker, Gründer der Südtiroler Autorenvereinigung und der Literaturzeitschrift Sturzflüge und verfasste selbst Kurzprosa und Gedichte. Im Buch Besetzte Landschaft, 2003 bei Skarabäus erschienen, thematisiert Georg Engl in spitzen und präzisen poetischen Bildern den Raubbau der Landschaft, den Bauboom, den Fremdenverkehr und die sich ausbreitende Isolation der Menschen. „Er war ein Mensch, der stets ohne viel Aufhebens ans Werk gegangen ist,“ beschreiben ihn die Artbrothers.

Gestern Abend wurde der Bürgerpreis zum ersten Mal an drei Preisträgerinnen und -träger verliehen: Die Schlanderserin Sieglinde Holzknecht Regensburger wurde von einer ganzen Reihe schwerer Schicksalsschläge getroffen. Sieglinde Holzknecht Regensburger ist eine der vielen stillen Heldinnen des Alltags, die aber selten bis nie zur Sprache kommen. Die Preisträgerin nimmt den Preis „stellvertretend für alle an, die jeden Tag ihre Frau oder ihren Mann stehen“.
Der zweite Preisträger ist Karl Berger aus Bozen, ein Demokrat der ersten Stunde und Präsident der Ilse-Waldthaler-Stiftung für Zivilcourage und soziale Verantwortung. „Jeder und jede kann etwas mit gestalten,“ meinte er in seinem Aufruf beim Entgegennehmen des Preises.
Der dritte Preisträger ist Rudi Dalvai aus Bozen, der in Italien und in Südtirol für denFairen Handel viel bewegt hat. Er widmete den Preis „allen, die den fairen Handel in Südtirol mitgetragen haben und allen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“.

Der Preis selbst, die Silberne Kraxe, ist ein grob gearbeitetes Silberplättchen mit Anstecknadel. „Silbern und nicht goldig“, erklären die Artbrothers, „weil in unserem Land nicht alles Gold ist, was glänzt.“ Preisträgerinnen oder -träger können alle Südtirolerinnen oder Südtiroler werden. Ausgeschlossen sind allerdings alle aktiven oder ehemaligen Politikerinnen und Politiker, die für ihre Tätigkeit ausreichend belohnt wurden und werden.

(Franz war übrigens auch unter den Nominierten.)

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