Culture + Arts > Architecture

October 7, 2011

Ställe ohne Kuh, Heu und Henne

Kunigunde Weissenegger

Die Landwirtschaft in den Alpen hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Der Stall, der Stadel, das Futterhaus machen diesen Wandel mit und erzählen ihn in gewisser Weise nach. Kunst Meran|o Arte unter den Meraner Lauben startet am Samstag, 8. Oktober – dem Tag der Zeitgenössischen Kunst – um 11.00 Uhr vormittags die neue Saison mit der Architekturausstellung Der nicht mehr gebrauchte Stall.

Seit den 1960er Jahren hat sich die Landschaft als gewachsener Kulturraum, geformt von verschiedenen Arten der bäuerlichen Bewirtschaftung, stark verändert. Intensivierter Anbau, die Möglichkeiten und Vorschriften der Raumordnung, aber auch die von der Politik verteilten Subventionen hinterlassen ihre Spuren im Bild der Landschaft und beeinflussen nicht zuletzt auch die Haltung der Menschen.

Die landschaftsprägenden Wirtschaftsgebäude werden von Laufställen, großen Garagen für landwirtschaftliche Maschinen oder von Obstmagazinen ersetzt. In vielen Gegenden ist der Tourismus zum primären Wirtschaftsfaktor geworden. Die Ausstellung, die bis 8. Jänner zu sehen ist, und der bei Raetia erschienene Katalog zeigen Gemeinsamkeiten und Differenzen der drei topografisch ähnlichen, kulturell oder historisch aber unterschiedlichen Gebiete Südtirol, Vorarlberg und Graubünden sowie Entwicklungen und Tendenzen. Der Wandel der bäuerlichen Gesellschaft wird an der Stalllandschaft festgemacht: Der Stall verkommt zur Ruine, er wird zur Kunstgalerie, zur Parkgarage oder zum Wohnhaus umgebaut oder einfach als wertvolle Kubatur verkauft. Nur in wenigen Gegenden – wie etwa im Bregenzer Wald oder im Oberen Vinschgau – beeindrucken uns auch heute noch massiv und archaisch anmutende Stadel.

Die Ausstellung stellt aber auch die Frage nach der Zukunft des Stalls: Soll er als Kulturgut erhalten bleiben? Soll er neuen Zwecken dienen? Oder hat er ausgedient und keine Daseinsberechtigung mehr?
Die Diskussion über die Zukunft des Stalls fortsetzen sollen die im Rahmen der Ausstellung in den verschiedenen Südtiroler Tälern stattfindenden Dorfgespräche, die vor allem die Bauern selbst ansprechen sollen und mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gemeinde sowie mit Fachleuten aus Agronomie, Raumplanung und Architektur geführt werden.

Erfreulich ist bei diesem Projekt die Zusammenarbeit von Südtiroler Bauernbund, Architekturstiftung Südtirol und Abteilung Landwirtschaft der Autonomen Provinz Bozen. Initiiert wurde sie von Bündner Heimatschutz (CH), Jürg Ragetti, Diego Giovanoli und Daniel Ladner. Kuratiert von Susanne Waiz (I) und Hans-Peter Meier (CH). Und koproduziert von Gelbes Haus, Flims (CH); Vorarlberger Architektur Institut – vai, Dornbirn (A); Fundaziun La Tuor, Samedan (CH); Bündner Heimatschutz, Coira (CH); Hochparterre (CH) und Kunst Meran|o Arte (I).

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