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June 20, 2011

Quorum, Quorum…

Stephan Raffeiner

Wir alle freuen uns doch so über das erreichte 50+7! Es heißt, der Wind hat die Richtung gedreht. Die Tage Berlusconis an der Spitze der italienischen Regierung scheinen gezählt. Da fragt man sich, ob das Referendum nun symptomatisch für eine politische Wende ist? Nur eine schallende Ohrfeige für den Regierungschef? Oder waren es die Themen, die die italienischen Wähler in Scharen zu den Urnen getrieben haben?

Das Internet, und allen voran die sozialen Netzwerke Facebook (19 Mio. Nutzer in Italien), Youtube und Twitter waren dieses Mal die Antreiber einer zunächst blockierten Berichterstattung und eines mangelhaften Informationsflusses in den klassischen Medien. Die ersten Informationen sickerten durch die sozialen Netzwerke. Facebook ist einer der großen Gewinner des Referendums. Viele schmücken sich nun zu Recht mit „zuckerberg’schen“ Federn.
Referendums-Promotoren, Bürgerinitiativen, Kommunalpolitiker und unabhängige Kräfte haben in Facebook, Blogs und Twitter ihr richtiges Forum gefunden. Facebook soll ja schon kurz zuvor Pisapia in Mailand auf den Bürgermeistersessel gehievt haben. Facebook und Twitter haben aus so manchen einfachen Wählern richtige Aktivisten und Bürgerrechtler gemacht! Vom Maghreb bis Barcelona, Griechenland und der Tschechei gehen die Menschen für ihre Rechte auf die Straße. „Empört euch!“, heißt es so gerne, gegen die Sparpläne und Vollmachten der Regierungen. Aufstände und Demonstrationen werden über die Online-Netzwerke organisiert. Neue Bürgerbewegungen entstehen und finden sich.

Die Organisation „Acqua Pubblica“ zum Beispiel hat ca. 1 Million FB-Fans. Vater dieser Initiative ist der mittelinks-gerichtete, aber parteienlose, Domenico Finiguerra, Bürgermeister von Cassinetta di Lugagnano, einer Gemeinde mit 1.883 Einwohnern in der Provinz von Mailand. Weitere starke Referendums-Initiativen im Netz waren „Battiquorum“, „TaxiQuorum“, „il Popolo Viola“, „Referendum sul nucleare“ oder „Referendum acqua pubblica“. Über 30.000 Videos zum Referendum sind auf Youtube zu finden. Skurriles, lustiges, darunter auch die Videos der anonymen Bloggerin Sora Cesira. Twitter war beim Finalspurt am schnellsten: die Kurznachrichten mit #iohovotato und#referendum2011 kamen im Sekundentakt ..

Und Südtirol? In Südtirol waren es z. B. die Promotoren „2 Ja Fürs Wasser“ welche als erste die Nachricht über das OK des Kassationsgerichtshofes zur Frage „Atomenergie“ via Facebook verkündet haben. Weitere Organisationen, Verbände, Parteizentralen, Politiker und Zivilbürger allen Couleurs haben stark über Facebook mobil gemacht. Auch Südtirols Nachrichtenmedien haben gut agiert und versucht so gut es eben ging zu informieren… Twitter hat in Südtirol die Masse noch nie erreicht und ist somit kaum erwähnenswert. Und was ist in Südtirols Bloggerszene los? Irgendwo zwischen Spaghetti-mit-Knödel und Zigori (Markus Lobis) ist was zu finden. Zum Thema „Referendum2011“ schreiben ebenso NirwanixJohann GruberBrennerbasisdemokratieoder SafogBlogcharts.it bringt zwar ein cooles Rating zu Südtirols Blogs und gibt etwas Einblick in Südtirols Blogosphäre… Aber ich weigere mich zu glauben, dass da nicht noch mehr ist zwischen all den Technik- und Tourismusblogs. Gibt es bei uns denn keine lebendige und kritische Blogkultur? Keine Blogger die von sich reden machen? Einen habe ich doch noch gefunden: www.manuelriz.blogspot.com.

Quellen:
http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/gluecklich-aber-gleich-geblieben/
http://www.giornalettismo.com/archives/129361/quorum-se-ce-la-soglia-e-merito-di-facebook/
http://www.linkiesta.it/dati-e-numeri-cosi-la-rete-ha-vinto-i-referendum

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