Bis 16. Mai findet in der Werkbank in Lana das Festival „Bi“ statt. Das lateinische Wort, das „zwei“ und „doppelt“ bedeutet hat Hannes Egger nicht ohne Grund als Titel für dieses künstlerische und soziale Projekt gewählt: „Bi“ trägt der Realität Rechnung, dass es verschiedene Formen von Zweierbeziehungen gibt. In der Werkbank werden sieben verschiedene Beziehungsarten thematisiert und Ziel ist es, Künstlerinnen, Künstler, Kulturschaffende, Interessierte und Publikum zu verbinden. „Bi“ stellt Verbindungen her. Die Künstlerinnen und Künstler, die am Projekt „Bi“ teilnehmen sind: Sabine Auer, Double UU, Ugo Dossi, Hannes Egger, Wim van Egmond, Alexander Friebel, Pierfabrizio Paradiso, Jessy Rahman, Sara Schwienbacher und Hara Walther. Sie arbeiten in Paaren zusammen. Das Paar ist die kleinste Form einer sozialen Gemeinschaft, der erste und vielleicht auch schwierigste Schritt über das Ego hinaus in die Gemeinschaft hinein. Arbeit im Zweierteam heißt immer Diskussion und Kompromiss sowie die Möglichkeit Potential, Intelligenz, Kreativität und Wissen zu verbinden und zu erweitern.

Im Rahmen dieses Festivals haben sich außerdem am vergangenen Wochenende in Lana die Künstlerinnen und Künstler Alexander Friebel, Maya Stimpfel, Sara Schwienbacher, Erika Inger, Franz Pfeil, Wolfgang Wohlfahrt, Hannes Egger und Peter Tribus zum Workshop „Microbial Art Climatology“ mit Jessy Rahman und Wim van Egmond getroffen. Jessy Rahman und Wim van Egmond aus den Niederlanden legten LANAART das Projekt “Microbial Art Climatology” zur möglichen Realisierung im Zuge der Erweiterung des Skulpturenwanderweges Lana vor. Geplanter Standort der Forschungsstation war das Falschauerufer. Angedacht haben die Künstler eine Kombination aus einer Versuchsstation und einem Feldlabor, mit welcher die Qualität von Kunstwerken getestet werden kann. Rahman und Van Egmond, die mit dem niederländischen Max Plankton Institut zusammenarbeiten, haben eine objektive und quantitative Methode entwickelt, um den versteckten Sinn der Kunst zu erforschen. In ihrem Bericht schreiben sie: „For the first time in history we are able to provide hard figures in relation to the quality of works of art. The application of the microbial art climatological methodology will spare us questions like: ‘What the hell am I looking at?’ or ‘What on earth does this mean?’“ Ausgangspunkt von „microbial art climatology” war die Immersion des Kunstwerks in Umgebungen mit einer ausreichenden Anzahl von Mikroorganismen (Bachwasser). Die Organismen siedeln sich in großer Zahl in und an ihrem Lieblingskunstwerk an. Dieses Verhalten ist der Schlüssel der Analyse. Die Qualität des Kunstwerks wird determiniert durch die Art der Organismen, die durch dieses angezogen werden. Der sogenannte ‘indicator species’ ist der wichtigste Indikator des “microbial art climatological research”. Im Zuge des „Flora und Fauna Festivals 5“ in Den Haag wurde von Rahman und Van Egmond ein Forschungsstation entwickelt und aufgebaut. Dort kann die Qualität von Kunstwerken bereits getestet werden.

Organisator und Künstler Hannes Egger im Interview zum Festival „Bi“ der Werkbank Lana:

Wie kam es zur Idee für „Bi“?

Die Werkbank hat für zwei Jahre ein relativ eigenwilliges Programm gefahren. Konzept war es an jedem zweiten Freitag in jedem zweiten Monat um 20 Uhr eine Ausstellung zu eröffnen und sie für zwei Tage offen zu halten. Insgesamt wurden auf diese Art 12 Ausstellungen gezeigt. Ausgestellt haben: Sabine Auer aus Verdins, Jonas Stecher aus Meran, das Philosophische Reisebüro aus Wien, Francesca Christelotti aus Rovereto, RAM aus Graz, Sara Giordani aus Rovereto, Stefan Sader aus Lana, Pietro Giromini aus Mailand, Franziska Egger aus Lana, Sandro Porcu aus Leipzig, Lorenzo Mariani aus Ancona, Hannes Egger aus Lana und das Stellwerkteam (Astrid Lange, Theresa Rieß, Marina Rüdiger) aus Kassel. Das Projekt war auf zwei Jahre angelegt und musste demnach 2010 verändert werden. Ziel der Werkbank war und ist es, Menschen zu verbinden. Dadurch dass die Zahl „Zwei“ eine Art Primzahl der Werkbank ist, war es relativ bald klar, in welche Richtung weiter gearbeitet wird. So entstand die Idee zu „Bi“. Aus einer formalen Zwei wurde eine inhaltliche Zwei.

Nach welchen Kriterien hast du die Künstlerinnen und Künstler für das Projekt ausgewählt?

Durch die Arbeit in und an der Werkbank in den letzten beiden Jahren bzw. durch meine Ausstellungstätigkeit im In- und Ausland lerne ich immer wieder Künstlerinnen und Künstler kennen. Einige der ausgewählten arbeiten schon in irgendeiner Form in Paaren zusammen, bei einigen habe ich gespürt, dass sie sich für Kooperationen interessieren.

Wie gestaltete sich das Arbeiten im Workshop?

Der Workshop zu „Microbiological Art Climatology“ von Jessy Rahmen und Wim Van Egmond hat sich als sehr lustig und ironisch erwiesen. Die teilnehmenden Künstlerinnen, Künstler und Amateure waren überrascht, nicht nur über die Ergebnisse des Workshops, sondern vor allem über die große performative Leistung, welche die beiden Künstler vollbracht haben. Der Workshop war so angelegt, dass er an verschiedenen Orten in Lana und Umgebung stattfand, somit wurden weit mehr Personen mit den Inhalten konfrontiert als ursprünglich geplant.

War es schwierig zu zweit gemeinsam einen Kompromiss zu finden?

Kompromisse gestalten sich fast immer schwierig, vor allem in der künstlerischen Arbeit, in der jede beteiligte Person versucht, ihre eigenen Ideen und auch die eigene Handschrift durchzusetzen. Ich selbst habe mich bei den diversen Paaren nicht in die Arbeit eingemischt, insofern kenne ich den internen Ablauf der Kompromissfindung nicht wirklich. Was den Künstlerinnen und Künstlern ganz klar mitgeteilt wurde, ist, dass für die Werkbank das Ergebnis von zweitrangiger Bedeutung ist. Für die Werkbank steht der Prozess im Vordergrund.
In Bezug auf den Workshop war allgemein der schwierigste Moment, wie die Kunstwerke der Teilnehmenden in das Wasser eingetaucht wurden und dadurch im Grunde zerstört wurden. Laut der „Microbiological Art Climatology“ ist dies Voraussetzung der Analyse.

WERKBANK
BI, FESTIVAL
10.–16. Mai 2010, h 10:00–12:00 + h 15:00–19:00 (Mo–So)
Am Gries 20, Lana

VERNISSAGE + KULTURTALK
10. Mai 2010, h 20:00
Mit Sabina Kasslatter-Mur, Hans Berger, Heinrich Gufler, Christoph Engl, Christine Vescoli, Heinrich Gasser, Ugo Dossi, Magdalena Schwellensattl
Musikalische Umrahmung von Michael Pircher

ZUSAMMEN-GEHEN
14. Mai 2010, h 18:00
Philosophisch-literarische Wanderung nach St. Hippolyt mit Hannes Egger, Paolo Meneghetti, Peter Oberdörfer, Haimo Perkmann, Maria Luisa Premer und Sonja Steger (Treffpunkt: Parkplatz Naraun/Tisens)

VOLEVO SAPERE SE TI ANDAVA DI MANGIARE QUALCOSA INSIEME, PER CONOSCERSI
15. Mai 2010, h 20:00
Künstlerisch-kulinarische Intervention von Pierfabrizio Paradiso und Hannes Egger

www.werkart.eu