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October 4, 2018

Kritisch mit Hang zum Feminismus: AliPaloma spricht

Eva Rottensteiner

Sie ist jung, kritisch mit Hang zum Feminismus und ihre Arbeiten hängen am Puls der Zeit und genau deshalb passt sie zu vonPiderzuHeiss wie die Faust aufs Auge. Das KünstlerInnenkollektiv hat kürzlich Zuwachs bekommen. Die Neue in der Runde heißt AliPaloma alias Alexandra Paloma Angerer, freischaffende Multimediakünstlerin aus Brixen und Architekturstudentin. Sie macht Fotos, Grafiken und Objekte, die mal soziale Medien kritisieren, mal zur Meinungsäußerung animieren, mal die Geschlechtervielfalt preisen und manchmal einfach nur stimmig kombiniert sind. Freitag und Samstag um jeweils 20:30 H (5. + 6. Oktober) (weitere Termine: 4.10. in Innsbruck und 15.11. in Bozen) wird Nora Pider und Crew garniert mit dem Bühnenbild von AliPaloma in der Brixner Dekadenz über Waffen, schießende Frauen und ihre eigene Identität referieren. It’s Showtime!

Wer ist AliPaloma?

AliPaloma ist die mutige, kreative und unermüdliche Seite von Alexandra.

Ali Paloma (1)
„In My Dreams“, 2017 Muse: Laura Hittaler

Du bist ein Gemisch aus Kunst, Fotografie, Sozialkritik und Architektur. Wie passt das zusammen?

Ich betrachte diese Bereiche keineswegs voneinander getrennt, sondern im fließenden Übergang. Eine begrenzte Begriffsbestimmung und traditionelle Definitionen einer Architektur, beispielsweise, hat Hans Hollein in seinem Essay „Alles ist Architektur“, von 1967 schon aufgelöst. Der Mensch, so schreibt er „… schafft künstlich Zustände. Dies ist die Architektur. Physisch und psychisch wiederholt, transformiert, erweitert er seinen physischen und psychischen Bereich …  {} … Seinen Bedürfnissen und seinen Wünschen gemäß setzt er Mittel ein, diese Bedürfnisse zu befriedigen und diese Wünsche und Träume zu erfüllen. Er erweitert sich selbst und seinen Körper. Er teilt sich mit.“

Stichpunkt: vonPiderzuHeiss! Wie bist du dort hineingeschlittert? Ein paar kurze Sneak Peeks, wie das Bühnenbild aussehen soll?

Wie mein Name schon verrät, bin ich die Schwester von Julian Angerer  [Sound], der schon langjähriges Mitglied von VPZH ist. Nora Pider [Performance] und Anna Heiss [Regie] kenne ich auch schon seit ich klein bin. Martin Fritz [Dramaturgie, Text] ist wie auch ich zum ersten Mal bei einer Produktion von VPZH dabei. Da wir alle unsere Arbeit gegenseitig schätzen und einander gut finden, dachten wir, eine Fusion kann zu einer freudigen Explosion werden. Das Bühnenbild von Born To Kill ist zart, fragil und steril und im selben Moment brutal. Dies wird ein heftiger Abend: Seid ihr bereit stark zu sein?

Ali Paloma (2)

„Im ständigen Versuch ihren Ängsten und Wünschen Ausdruck zu verleihen, produziert sie Fotografien, Grafiken und Objekte“ – steht auf deiner Webseite. Was sind deine Ängste und Wünsche?

Meine Ängste und Wünsche ändern sich täglich. Der kreative Prozess hilft mir sie zu überwinden, zu verwirklichen, damit wieder neue nachkommen können.

Eine deiner Arbeiten trägt den Namen „cunt“ (dt. vulg. „Fotze“) und unter dem Titel „Lasst hunderte Geschlechter blühen“ hast du den weiblichen Körper mit einer Salatvulva fotografiert. Soll deine Kunst provozieren?

Es gibt Arbeiten, die sich mit politisch oder gesellschaftlich relevanten Themen auseinandersetzen. Diese sollen natürlich eine Reaktion hervorrufen, den Blick der Betrachtenden schärfen, wenn man so will, provozieren. Andere Arbeiten haben keine Notwendigkeit zur Provokation in diesem Sinne, es sind ruhige Kompositionen, die zum Träumen einladen.

Ali Paloma (3)

Was hat es mit der Vulva-Kette auf sich? Wie werden deine Arbeiten aufgenommen? Ist Südtirol vielleicht zu prüde für deine Arbeiten?

Das „Vulvaproject“ widmet sich der Schönheit weiblicher Diversität. Kritisiert wird ein Intimideal, das weltweit zu einem Boom an kosmetischen Vaginaloperationen führt. Gefragt ist ein Genital, das wie das eines jungen Mädchens aussieht, wobei die äußeren Schamlippen die inneren verdecken. Sind die Schamlippen zu groß, asymmetrisch oder zu schlaff, entsprechen sie nicht dem herrschenden Schönheitsideal und sind reif fürs Skalpell. Ich empfinde nicht, das Südtirol zu prüde für meine Arbeiten ist. Es gibt sehr viele Frauen, von Mädchen bis zu älteren Frauen, die mit großer Lust eine Vulva-Kette tragen und ein Statement setzen.

Von der Inspiration zum fertigen Objekt – wie entsteht bei dir Kunst?

Inspirationen finde ich überall. Am liebsten verbringe ich meine Zeit in Baumärkten oder Ramsch-Läden, da gibt es besonders skurrile Objekte … Natürlich schaue ich mir auch viele gute an, gehe in Ausstellungen und zuletzt bringt die Zeit in der Natur meine Ideen zur Blüte. Im Prozess der Umsetzung wird es dann oft spannend, das meiste funktioniert nicht, wie gedacht, oder ist zu teuer. Dann fängt man an zu kniffeln und kurz vor der Verzweiflung klappt es dann! Die Arbeit „I, 2017“, ein Spiegel aus iPhones habe ich ironischerweise nur durch einen Social Media- Aufruf verwirklichen können. Danke an alle, die mir ihr kaputtes iPhone zu Verfügung gestellt haben!

Ali Paloma (6)

Vorbilder?

Die Liste ist endlos, außerdem finde ich ständig neue! Zeitüberdauernd sind VALIE EXPORT, Marina Abramovic, Ren Hang … Außerdem finde ich die österreichische Avantgarde mit Hans Hollein, Hausrucker usw. extrem inspirierend.

Was können wir uns bei der Aufführung erwarten? Glitzernde Körper und Gesellschaftskritik?

Es sind alle herzlich eingeladen, ihre Erwartungen mitzubringen, (welche auch immer die sein mögen). Ob wir diese erfüllen werden, werden wir sehen …

Wohin möchtest du? Ziele, Träume, Pläne?

Mein Traum zur Zeit ist es, bald einen Atelierplatz zu haben, möglicherweise auch in einem Coworking Space oder in einem Kollektiv zu arbeiten. In der Produktion von „Born to Kill” habe ich erst wieder gemerkt, wie viel besser etwas wird, wenn man im ständigen Austausch ist und sich gegenseitig hilfreiches Feedback gibt.

 Ali Paloma (7)

Rand-Info für alle, die mehr AliPaloma sehen möchten: Ab Mitte Oktober wird im Zuge des Kunstprojektes „Ars Sacra“ die audiovisuelle Installation „Reflection“ in der Heiligen Sebastian Kapelle in Klausen zu sehen sein, an der sie derzeit zusammen mit Daniele Alessi arbeitet.

Credits: AliPaloma + Leonhard Angerer

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