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April 21, 2018

Elisabeth Öggl: Auf das Blatt denken, was vorher im Kopf existiert

Verena Spechtenhauser

Wien ist eine Talentschmiede, in der wir von franz gerne herumstöbern, aus der wir uns Inputs holen und die uns selten enttäuscht. Auch dieses Mal nicht. Wir sind auf Elisabeth Öggl gestoßen, Jahrgang 1994, in Schlanders geboren und aufgewachsen, in Wien wohnhaft, wo sie lebt, studiert und arbeitet. In ihrem Portfolio finden sich Monotypien, Radierungen und Installationen. In Südtirol hat sie noch nie ausgestellt. Hört sich interessant an? Ist es auch! Und wirklich schön anzuschauen. Hier unser Gespräch:

Du studierst Grafik und Druckgrafik an der Universität für angewandte Kunst in Wien? Was reizt dich an dieser Art der künstlerischen Ausdrucksweise?

Druckgrafik ist vielfältig und abwechslungsreich. Es gibt endlos viele Herangehensweisen an die Realisation eines Druckes. Und in all den Techniken gibt es diesen wundervollen Moment, in dem man das Resultat nach langer Vorarbeit als fertige Arbeit sieht. Ich finde diesen Moment einfach magisch. Egal, wie oft ich drucke, in dem Augenblick, in dem ich das Blatt langsam von der Druckplatte löse, kribbeln mir einfach immer die Finger.

Viele deiner Arbeiten beschäftigen sich mit dem menschlichen Körper und dessen Bewusstseinszuständen, aber auch mit deiner Innenwelt. Ein sehr persönliches Thema …

Als Künstler macht man sich leicht verwundbar. Kunst ist ein bisschen wie lautes Denken. Ich kann nur auf das Blatt denken, was vorher in irgendeiner Form, bewusst oder unbewusst, in meinem Kopf existiert. Mit jeder Arbeit erlaube ich also einen kleinen Blick in meinen Kopf – egal, ob ich mich mit meiner Person, einer erfundenen Geschichte oder mit kritischen Themen beschäftige.Elisabeth Öggl_5_Credits to Astrid Rothaug.

Der mediale Träger deiner Werke ist sehr oft Papier. Was fasziniert dich an diesem Material?

Vielleicht die Tatsache, dass es so unterschätzt wird! Schon als Kind hatte ich eine Vorliebe für haptisch Interessantes. Papier ist dabei mein Favorit. Es ist sehr variabel und wird leider oft nicht ausreichend beachtet. Die Beschaffenheit von Papier als Träger kann eine Grundstimmung im Werk erzeugen oder verstärken und ästhetisch viel bewirken. Es kann sich anfühlen wie Stoff oder hart sein wie dünnes Holz. Es kann in richtiger Zusammensetzung ganze Körper tragen, wasserfest sein und sich wie weiches Material um Druckplatten mit scharfen Kanten schmiegen ohne zu reissen. Bewundernswert!

Wien und Florenz sind beziehungsweise waren in der letzten Zeit deine Lebensmittelpunkte. Warum genau diese beiden Städte?

Beide Städte habe wahnsinnig viel zu bieten. Kulturell und kunsthistorisch betrachtet sind sie kleine Inspirationsfeuerwerke. Man trifft Gleichgesinnte, Unsinnige und Andersdenker. Ich finde das spannend. Die italienische Lebensweise mit ihrer Spontanität und Leichtigkeit ist mir wichtig, genauso aber auch die österreichische Mentalität. Ich persönlich lebe wohl eine Mischung aus beidem.Elisabeth Öggl_4

Deine Arbeiten waren bereits in einigen Gruppen- aber auch Einzelausstellungen zu sehen. Wie fühlt es sich für dich an, deine Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren?

Es ist sehr aufregend in der Öffentlichkeit auszustellen und ich freue mich über jede Möglichkeit und über jedes Interesse an meiner Arbeit. Mich freut es total, wenn Leute meine Werke sehen und mir ihre Interpretation dazu erklären. Ich habe die Möglichkeit, spannende Dinge über die andere Person zu erfahren, die ich sonst nicht erfahren würde, da in jeder Interpretation Persönlichkeit mitschwingt.

Dein Portfolio bietet eine große Auswahl an Arbeiten. Hast du ein Lieblingswerk und wenn ja, warum?

Das ist eine schwierige Frage. Vielleicht ist es meine Arbeit „MONO“, weil sie haptisch sehr ansprechend ist und für mich ein Bindeglied von früheren zu den jetzigen Arbeiten darstellt. Ich mag die Tatsache, dass diese Monotypie durch den Stoff an Dimension gewinnt.  Elisabeth Öggl_1

Womit beschäftigst du dich im Moment?

Momentan arbeite ich an einem Künstlerbuch in kleinem Format und an einigen Illustrationen eines Märchens für Erwachsene.

Wo werden wir deine Arbeiten in Zukunft noch sehen?

Vorerst auf meiner Website. Ich konnte schon gute Kontakte in Florenz und Wien knüpfen und bin gespannt und motiviert, auch in Zukunft meine Arbeiten zu zeigen.Elisabeth Öggl_2

Fotos: (2) Astrid Rothaug; (1, 3, 4, 5) Elisabeth Öggl in Kooperation mit der Zentralen Digitalen Werkstätte Fotografie der Angewandten.

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