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April 11, 2018

Kunst unter dem Motto „I’ve shattered the power“ von Elisa Grezzani

Katja Ebner

Ich habe mich mit der Künstlerin Elisa Grezzani in Bozen getroffen, als sie – mit männlicher Unterstützung – gerade dabei war, ein riesengroßes Bild vom Waltherplatz zur Galerie Prisma in Bozen zu transportieren. Denn ab Freitag, den 13. April 2018 kann man dort die Malerei von Elisa Grezzani, unter dem Motto „I’ve shattered the power“, bewundern. Die Vorbereitungen für die Ausstellung laufen auf Hochtouren, dennoch hat sich Elisa ein paar Minuten Zeit genommen, um mir einige Fragen zu beantworten.

Gibt es ein Bild von dir, das du vor langer Zeit gezeichnet hast und das dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Ja, in der dritten Oberschule. Da habe ich ein Bild von einem Mann und einer Frau gemalt. Darauf sah man eine dicke Frau von hinten, die auf einem Mann sitzt. Die dicke Frau sollte meine damalige Mallehrerin darstellen, die ich überhaupt nicht leiden konnte. Der Mann darunter hatte blau-violette Beine wegen des schweren Gewichtes der Frau. Dieses Bild ist mir sehr gut in Erinnerung geblieben, weil es einerseits ein sehr irritierendes Bild war und zugleich mein erstes großformatiges Bild.

Wie ist es dazu gekommen, dass du angefangen hast zu malen? Gab es irgendwelche besonderen Beweggründe dafür?

Ich bin in einer Familie groß geworden, wo handwerkliches Arbeiten schon immer sehr geschätzt wurde. Um mich herum wurde immer schon gestrickt, gestickt, gemalt, gebraut oder einfach nur gebastelt. Und so wurde Handarbeit, in dem Fall das Zeichnen, zu einem wichtigen Ausdrucksmittel in meinem Leben. Danach kam alles, so wie es kommen sollte. Ich habe eine Kunstschule besucht, wo sich die Malerei schnell als mein Lieblingsfach und als meine Lieblingsbeschäftigung entpuppte. Danach habe ich noch in Urbino Malerei studiert. Elisa Grezzani

Ab Freitag, den 13. April kann man in der Prisma in Bozen deine Ausstellung besuchen. Deine geschickten Malereien veranlassen dazu, die Fassade zu hinterfragen, um tiefer in das Bild einzutauchen. Wie gehst du bei deinen Malereien vor?

Die Rahmen für meine Bilder baue ich mir selber und als Leinwand male ich meistens auf Holz. Für mich ist dieser Rohstoff eine wichtige Grundvoraussetzung für meine Kunst. Ich zeichne oft mit viel Kraft, da würde eine Leinwand einfach zu wenig Widerstand leisten, das Holz hingegen bietet mir die Möglichkeit mich auszutoben. Über das Holz kommt dann Papier. Im Papier entstehen Falten, Löcher und Risse und genau diese sind die Basis meiner Malerei. Diese Falten oder Löcher lassen Formen entstehen, die bestimmen, in welche Richtung das Bild geht. So entscheidet sich, ob das Bild eine Landschaft, eine Figur oder ein Gebäude wird. Anschließend wird das Papier eingeölt, was dann erste Muster entstehen lässt. Der Prozess meiner Bilder ist sehr stark vom Material abhängig. So geht es dann mit Harz und Farbe immer weiter. Bis ganz zum Schluss bei den letzten Schichten meiner Bilder, da arbeite ich mit Gravuren. 

Was geht in dir vor, wenn du malst? Du arbeitest ja oft an 15 oder mehreren Bildern zugleich, um die nötige psychische Distanz halten zu können. Kannst du das etwas genauer erläutern?

Der Titel der Ausstellung sagt es ja bereits: „Die treibende Kraft zersprengt“. Ich arbeite nicht regelmäßig, sondern meistens in wenigen Wochen oder Tagen sehr konzentriert. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir ein Bild, an dem ich gerade arbeite, zumeist nicht gefällt, weil es zu geladen ist. Wenn ich mich hingegen auf viele verschiedene Arbeiten zugleich konzentriere, dann verstreut sich die ganze angestaute Energie auf mehrere Bilder und wird nicht nur an einem entladen. Somit ist es mir möglich, mich mehr auf die Ästhetik des Bildes zu konzentrieren als auf den Inhalt.Elisa Grezzani

Du lässt also immer wieder von deinen Bildern ab und wendest dich ihnen dann wieder zu. Wie entscheidest du, wann ein Bild fertig ist?

Ja, ich wende mich immer wieder von den Bildern ab und ihnen dann wieder zu. Ich denke, dass ich mich in dem Moment entscheide, dass ein Bild fertig ist, wenn ich einen Titel dazu habe. Ein Bild muss für mich gesättigt sein, es muss ein Gleichgewicht vorhanden sein. Es kann schon vorkommen, dass ich ein Bild dann nach ein paar Monaten wieder anschaue und es mir vorkommt, dass das Gleichgewicht nicht mehr vorhanden ist. Damit ich sie nicht immer wieder umgestalte, ist es wichtig, dass die Bilder weg kommen, also entweder verkauft oder ausgestellt werden.

Heutzutage entfernt sich der Kunsttrend ja immer mehr von der klassischen Kunst hin zu moderneren Kunstmitteln, wie etwa Videos oder Fotomontagen. Du bist eine junge Künstlerin, was hat dich veranlasst, dich mit der klassischen Malerei auseinander zu setzen?

Ich fotografiere gerne und arbeite auch hin und wieder an Skulpturen. Aber das Malen ist das, was ich am besten kann und mich am meisten erfüllt. Mir kommt es so vor, als ob ich über meine Bilder einen Kontakt zu den BetrachterInnen herstellen kann. Wenn jemand ein Bild betrachtet, dann ist alles schon da, man muss gar nichts mehr erklären. Malerei ist etwas Unmittelbares, etwas, das jeder verstehen kann, es ist nichts Kompliziertes dabei. Die Menschen müssen nicht Angst haben, etwas nicht zu verstehen, denn jeder versteht die Malerei auf seine eigene Art und Weise. Der Gedanke, dass jeder Mensch, egal ob jung oder alt, meine Bilder betrachten kann und für sich selbst etwas davon behalten kann, motiviert mich immer wieder aufs Neue.

Was können wir in Zukunft von dir erwarten? Gibt es vielleicht schon konkrete Pläne?

Ich möchte größere Arbeiten schaffen. Viel größere Bilder wären mein Traum. Dabei denke ich an Wände oder sogar Häuser. Es wäre schön für mich, im Freien zu arbeiten und mich von der Landschaft inspirieren zu lassen.

Fotos: Ebner Katja/franzmagazine

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