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January 29, 2018

Training für die Lachmuskeln: „Nicht nur Nonsens“ von Johannes Mahlknecht

Florian Rabatscher

Das Buch, das mir von meiner Kommandantin im franzmagazine-Hauptquartier in die Hand gedrückt wurde, traf bei mir genau ins Schwarze. Nicht mitten ins Herz, sondern direkt ins Zwerchfell. Selten so gelacht und trotzdem war ich zugleich verblüfft von dem ganzen Drumherum. Angefangen bei dem Titel selbst, der Illustration, dem Schreibstil, der Beschreibung und der Empfehlung eines gewissen John Grindknight auf der Rückseite. – Nie gehört von einem John Grindknight, obwohl der Name schon verdächtig nahe an Johannes Mahlknecht ran kommt. Nach intensivster Recherche stellte sich dann heraus, dass er es auch ist. Wieder ein Lacher und ich hatte noch nicht einmal angefangen mit der Lektüre.

Nicht nur Nonsens“ ist wahrlich ein Fest, für alle Freunde des gepflegten Unsinns. Die hohe Kunst der Blödelei sollte trotz alledem nicht unterschätzt werden. Daran sind schon viele gescheitert und es kam am ende wirklich nur Nonsens raus. Nicht so bei John, Mahlknecht, Grindknight oder wie auch immer … Nein, dieser Schreiber versteht sein Geschäft. Eine Erkenntnis, die mir gerade Schweiß aus jeder erdenklichen Pore meines Körpers presst. Über jemanden zu schreiben, der etwas davon versteht, beschissene Idee. – Ein Gefühl wie in der Schule, nicht nur aufgrund meiner Nervosität, auch der trockene Humor, der sich in Mahlknechts Gedichten widerspiegelt. Wie der Banknachbar, der dich mit seinen ständigen Kommentaren zum Lachen bringt – obwohl du still sein solltest.

Johannes Mahlknecht with friendsGedichte in den verschiedensten Variationen, manche sind lang, manche kurz, andere bringen dich lauthals zum Losprusten, andere lassen dich einfach schmunzeln und einige provozieren das bekannte Augenrollen. Meine Lieblinge kommen aus der sogenannten untersten Schublade, welche die feinsten Leckereien bietet: Schwarzer Humor und ein bisschen Schweinskram, genau meine Liga. Natürlich lyrisch schön verpackt. Bei Gedichten, wie – der Name sagt schon alles: „Das Lied von den Glocken“, kann man sich ungefähr vorstellen, wie sich damals Minnesänger ihre Schweinereien übermittelten. Es werden uns auch gern brisantere Themen, mit wenigen Sätzen vor Augen geführt; ein Beispiel dafür:

Vlad

Vlad ist ein echter Strahlemann.
Ob man ihn kennt, ob nicht,
sein Strahlen steckt die Menschen an
und zaubert Leuchten ins Gesicht. 

Solch Strahlemänner gibt es wenig,
hat oft man das Gefühl.
Ein Hoch darum auf Strahlekönig
Vlad aus Tschernobyl!

Man muss nicht unbedingt Literaturprofessor oder etwa besonders vom Fach sein, eigentlich kann hier jeder in den Genuss dieser feinen Wortspiele kommen. Man soll mich jetzt nicht falsch verstehen, dies ist nicht abwertend gemeint. Und man könnte denken, dass es sich um Kindergedichte handelt. Keinesfalls, die grauen Zellen dürfen schon beansprucht werden.  

Mit den Worten von Johannes Mahlknecht: „Optimal geeignet für jedes Publikum – ob ein großes allgemeines, ein kleines, oder keines.“ Also, dieses Buch ist sicherlich kein Fehlkauf. Für Grußkarten, Abschiedsbriefe, Gebete, Trinksprüche, oder wenn dir die richtigen Worte zu allen erdenklichen Situationen oder Lebenslagen fehlen, hier wirst du fündig. Na dann, bleibt ja nicht mehr viel zu sagen, außer dem, was schon im Buchtitel steht: „Sehr schöne Gedichte“. Ich wollt’s beenden mit einem Reim, doch leider fiel mir keiner ein. 

Der Homophobe

Der Homophobe ging spazierend
Abends durch die Stadt,
als ein Mob laut protestierend
ihm entgegentrat. 

„Ein Herz für Homosexuelle!“
wurde proklamiert.
Da fühlte der homophobe Geselle
sich ganz schön diskriminiert

 

Fotos: (1) franzmagazine; (2) Johannes Mahlknecht 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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