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September 14, 2017

Nicolò Degiorgis’ Vision von Heimat (und dem Ende der Welt?)

Kunigunde Weissenegger

Er hat es schon wieder getan und sich in unwegsames Gelände, sozusagen, gewagt. „Prison Photography“ (bei Rorhof erschienen) sammelt geschätzte 170 Fotografien, die zwischen 2013 und 2017 während eines von alpha beta picadilly organisierten Fotografiekurses entstanden sind. Die Studenten heißen unter anderem A. A., A. B., C. A. H., D. A. J. J. E., M., S. S. oder W. E. A.

Auf beschränktem Raum haben die Insassen des Bozner Gefängnisses unter der Leitung von Nicolò Degiorgis nach Motiven gesucht und vielleicht Hoffnung gefunden. So wie eine Strichliste an der Zellenwand Tag für Tag wächst, können die einzelnen 16×24-formatigen Fotos wie Blätter eines Abreisskalenders dem Buch entnommen werden. – Etwas schrumpft. Nicolò Degiorgis Museion Hämatli Patriae franzmagazine 05Am Freitag, 15. September 2017 eröffnet das Museion in Bozen um 19 H die Herbstsaison mit der großen Abschlussausstellung des diesjährigen Gastkurators Nicolò Degiorgis „Hämatli & Patriae“. Teil davon ist auch das oben angeführte fünfte Künstlerbuch, und in der Museion Passage zu sehen, sowie parallel dort, wo die Fotos entstanden sind, in der Justizvollzugsanstalt Bozen.Nicolò Degiorgis Museion Hämatli Patriae franzmagazine 02Heimat, PatriaHeimat, Vaterland, Heimat, Fatherland – wie Leintücher (zusammengeknotet ermöglichen sie die Flucht) hängen die ausgedruckten Wikipedia-Einträge von der Decke im vierten Stock des Museums. Der deutsche Eintrag zu „Heimat“ ist der längste – „zu lang“ flüstert jemand bei der Besichtigung neben mir … 

Mehr als 30 Arbeiten sind in der Ausstellung in der vierten Etage des Museion zu sehen: Yuri Ancarani, Apparatus 22, Filippo Berta, Mohamed Bourouissa, Donna Conlon, Simon De Myle, Nicolò Degiorgis, Hannes Egger, Aslan Gaisumov, Henrik Håkansson, Petrit Halilaj, Laëtitia Badaut Haussmann, Paolo Icaro, Armin Linke, Marcello Maloberti, Philipp Messner, Giuseppe Penone, Walid Raad, Ernesto Schick, Giovanna Silva, Superflex, Eugenio Tibaldi, Luca Trevisani, Luca Turi, Danh Vo et al. Einiges erkennt man wieder, einiges ist neu, einiges ungewohnt.

01_Museion_Vlora_Foto Luca TuriNicolò Degiorgis Museion Hämatli Patriae franzmagazine 06

Das Herz der Ausstellung (und des Kurators Nicolò Degiorgis) ist ein Gemälde desselben, das jede Sekunde neu gemalt wird: In der begehbaren Camera Obscura spiegelt sich die Welt – zunächst einmal die kleine des Ausstellungsraumes. Die große in unseren Köpfen … 

Frisst Mensch Mensch? Was bleibt? Schildkröten, fahnenzerfleischende Wölfe, Vögel (mit gebrochenen Flügeln), peacetragende Ameisen und Postkarten mit „Ich erforsche die Tiere“ als Abschiedsgruß? 

Das ist die eine Seite. Es gibt aber mehrere …

Was steht im Rahmen der Ausstellung „Hämatli & Patriae“, die bis 14.1.2018 läuft, an?
28/09/2017, 19 Uhr: Führung durch die Ausstellung mit Nicolò Degiorgis
26/10/2017, 19 Uhr: Vortrag von Martin Parr
14/11/2017, 19 Uhr: Das Museion im Dialog mit der Justizvollzugsanstalt Bozen

Fotos: (1) „Vertical swarm (Sturnus vulgaris)“ by Henrik Håkansson; (2) „Homo Homini Lupus“ by Filippo Berta; (3) „Vlora“ by Agenzia Luca Turi; (4) Camera Obscura by Nicolò Degiorgis. 

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