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July 20, 2017

Airpaq: Schrottplatz als Inspiration

Greta Stampfer

Eigentlich stammen sie aus dem Managementbereich. Doch das Airpaq-Duo, bestehend aus Adrian Gooses und Michael Widmann, entdeckte die Welt des Designs für sich und stürzt sich seitdem auf alte Airbags und Sicherheitsgurten und verwandelt diese in nachhaltige Rucksäcke.

Ihr habt an der Rotterdam School of Management studiert, kommt also eigentlich aus dem Wirtschaftsbereich. Woher kommt der Sinneswandel, das Management an den Nagel zu hängen und in die Welt des Designs einzutauchen?

Unser Master „Strategic Entrepreneurship“ an der Rotterdam School of Management war so aufgebaut, dass Studierende während des gesamten Studiums eine eigene Geschäftsidee ausarbeiten konnten, um nach dem Abschluss ein Fundament für ihr eigenes Geschäft zu besitzen. Unsere Idee bestand darin, alte Airbags und Sicherheitsgurten zu nutzen, um Rucksäcke herzustellen. Das Design nahm dabei natürlich eine zentrale Rolle ein. Da wir keine professionellen Designer in unserem Netzwerk in Rotterdam hatten, kauften wir uns für 10 Euro eine alte Singer-Nähmaschine und brachten uns durch Youtube-Videos das Nähen selbst bei. Während uns das Studium auf alle wirtschaftlichen Aufgaben vorbereitete, verbrachten wir die Nächte oft vor der Nähmaschine und tüftelten an unseren Prototypen herum. Besonders zu Beginn war es oft sehr frustrierend, aber die kleinen Erfolge und Verbesserungen motivierten uns.

Die Reise eurer Rucksäcke startet dort, wo die vieler Autos endet: Auf dem Schrottplatz. Woher stammt die Idee, alte Sicherheitsgurte und Airbags für eure Designs zu nutzen?

Im Zuge unseres ersten Kurses an der Uni besuchten wir einen Schrottplatz, um Inspiration für ein Recycling-Projekt zu sammeln. Während wir durch das Labyrinth von gestapelten Autos schlenderten, kamen uns viele Ideen – LKW Reifen könnten Sessel werden, Zylinderköpfe Kerzenständer. Dann allerdings entdeckten wir einen alten Airbag. Die Qualität des Stoffes faszinierte uns und es keimte die Idee auf, einen Rucksack aus diesem Material zu fertigen.

 Wie wichtig ist euch die Idee der Nachhaltigkeit und Fair Fashion bei der Herstellung eurer Produkte?

Die Relevanz von Nachhaltigkeit in unseren Produktionsprozessen steht außer Frage und war daher ein essenzielles Kriterium bei der Ausarbeitung aller produktionsrelevanten Prozesse. Alle unsere produktionsrelevanten Partner befinden sich in Rumänien. Dadurch können wir nachhaltig produzieren, da die EU-Mitgliedschaft von Rumänien mit strengen EU-Umweltschutzstandards einhergeht. Zusätzlich minimieren wir durch die regionale Konzentration unserer Produktionspartner die transportbedingte Umweltbelastung. Der Wasch- und Färbeprozess unserer Produktion birgt das größte Umweltrisiko und wurde von uns mit entsprechender Sorgfalt behandelt. Wir arbeiten mit einer Färberei zusammen, die auf 30 Jahre Erfahrung zurückblickt und modernste Technologie mit besonderem Fokus auf ökologische Nachhaltigkeit nutzt. Um dabei auch faire und bestmögliche Arbeitsbedingungen zu garantieren, haben wir jeden einzelnen unserer Partner sorgfältig ausgewählt. 

Ihr habt auch eine Kickstarter-Kampagne gelauncht. Was kann man sich darunter vorstellen und was erhofft ihr euch davon?

Kickstarter ist eine Crowdfunding-Plattform. Die Idee dahinter ist, dass junge Start Ups ihre Produkte für einen gewissen Zeitraum (Airpaq: 4. Juli–10. August 2017) vorstellen können und durch den Vorverkauf dieser Produkte das Geld für die Finanzierung ihrer ersten Produktionsreihe sammeln können. Der große Vorteil für Airpaq ist, dass wir unsere Produktionsquantität somit im Vorfeld an die Nachfrage anpassen können und durch die Vorfinanzierung keine externen Investoren benötigen, um produktionsrelevante Investitionen zu tätigen. Der Vorteil für den Kunden ist, dass er Airpaq für einen vergünstigten Preis erhält. Ein weiterer Vorteil für den Kunden ist, dass er den Rucksack bekommt, noch bevor er sonst irgendwo erhältlich ist. Die Kampagne war bisher ein voller Erfolg. Das angestrebte Finanzierungsziel von 10.000 Euro konnten wir innerhalb von 2 Stunden erreichen und haben bisher schon Hunderte von Rucksäcken verkauft.

Ein Unternehmen zu gründen ist einfach, eines zu führen dann doch schwieriger. Welche Steine wurden euch schon in den Weg gelegt?

Dass es nicht einfach werden würde, war uns schon von Beginn an klar. Die größte Herausforderung war ein zuverlässiges Netzwerk an Schrottplätzen aufzubauen, die uns regelmäßig mit Airbag- und Sitzgurtmaterial beliefern würden. Dafür sind wir letzten Sommer (2016) quer durch Deutschland, Österreich und auch Italien gefahren und haben mit unzähligen Schrottplätzen verhandelt. Aber auch in anderen Bereichen, vor allem bei der Prototyp-Entwicklung oder beim Erstellen unserer Website, sind wir durch kleinere, unvorhergesehene Probleme gebremst worden. Inzwischen sind wir uns aber bewusst, dass Steine im Weg nicht immer negativ sind. 

Ihr habt auf der Ethical Fashion Show in Berlin ausgestellt. Wie war es im Fashiontrubel involviert zu sein?

Die Ethical Fashion Show in Berlin ist eine Fachmesse zu nachhaltig und ethisch hergestellter Mode. Diese Messe war ein sehr wichtiges Event für uns, denn wir stellten unsere Rucksäcke das erste Mal vor Fachpersonal aus. Unser primäres Ziel war Journalisten und Blogger auf uns aufmerksam zu machen, um für unsere Kickstarter-Kampagne zu werben. Wertet man unseren Erfolg an der Messe anhand dieses Zieles, können wir nicht zu 100 % zufrieden sein. Obwohl wir mehrere Interviews mit Journalisten hatten, waren wir von der geringen Anzahl an Bloggern enttäuscht, die wir auf der Fachmesse trafen. Was uns allerdings sehr freute, war das sehr positive Feedback von Geschäftsvertretern. Wir nahmen Vorbestellungen, sowohl vom deutschsprachigen Markt, als auch vom internationalen Markt entgegen. Sogar zwei Boutiquen aus Südkorea wollen ab Januar 2018 Airpaq vertreiben.

Foto: Airpaq

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