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April 7, 2017

“Die Einsiedler” – Du drzehlsch jo nia nix …

Kunigunde Weissenegger

Titel: Die Einsiedler

Regie: Ronny Trocker

Worum geht’s? Zumeist ist es in der Realität umgekehrt: Den Hof aufgeben und zugrunde gehen lassen, käme nie und nimmer in Frage. In „Die Einsiedler“ hingegen ist die alte Bäuerin überzeugt davon und setzt alles daran, die letzte auf ihrem Eggerhof zu sein. Sie, Marianne, und ihr Mann Rudl, die Bauersleute, leben oben, auf einem Hof ohne Zufahrt, bloß ein Fußweg führt hinauf und eine Materialseilbahn, die im Notfall aber auch Menschen transportiert. Albert, der Sohn, lebt (na ja …) unten und arbeitet im Marmorbruch, schaut regelmäßig bei den Eltern, oben, vorbei. Zwei Geschwister sind vor Jahren unter einer Lawine umgekommen. 

Und es geht auch um die Exzellenz in der Ineloquenz, um Sprachlosigkeit, um Gefühle, die in der Luftröhre stecken bleiben, in den Magen gehustet zerfallen. Und um ermüdende Gehässigkeit. 

Mutig, dass dieser erste Spielfilm von Ronny Trocker (mit dem er 2016 zum Filmfestival Biennale di Venezia eingeladen wurde) im Südtiroler Dialekt bleibt. Er wirkt nicht aufgesetzt, „auch wenn es keine sprachwissenschaftliche Arbeit ist,“ kommt die Geschichte auch bei „DialektexpertInnen“ an. Chapeau, die SchauspielerInnen!

Top: Der Spielfilm zeichnet sehr wirklichkeitsnah und nicht überdreht eine aussterbende Lebensart nach. Sind wir froh darüber oder ist “Die Einsiedler” in seiner dokumentierenden Eigenschaft prophetisch, wo Berg mit Großstadt, Tiere mit virtuellen Freunden, Hof mit Smartphone austauschbar werden? Und vielleicht wird am Ende auch mehr geredet, als es scheint. „Wenns eh schun woasch, wos froggschn long!“  

Top Zitat: Dr Vottr hots Doch schun gedeckt. – Jo, logisch.  

Lässig: Mensch kann Marmorstaub aus den Bildern riechen. „Es isch holt so.“ 

Zum Schluss: Unten laut, außer wenn die Worte fehlen. Oben ruhig, außer wenn der Berg spricht. Die Frage ist, ob mensch sich überhaupt entscheiden muss.

“Die Einsiedler” läuft während des Bolzano Film Festival Bozen am 6.4. in Bozen (14.14 H  @ Capitol 2) und in Meran (20.30 H @ Ariston Kino) und am 7.4. um 19 H im Capitol 1 in Bozen. 

Beim IFFI Internationalen Filmfestival Innsbruck läuft “Die Einsiedler” am Sonntag, 28. Mai 2017 um 17.15 H im Leokino 1. 

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