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March 21, 2017

Alles Auf Anfang: Modedesigner Jimmy Unterweger

Carmen Alber

Der gelassene Modedesigner aus Meran fällt mit seinem außergewöhnlichen Kleidungsstil sofort auf – seine Passion für die Mode ist gleich klar. 
Es ist überwältigend, wie ausdrucksstark und zur selben Zeit dezent sein Stil wirkt. Er experimentiert mit viel Gefühl und Kreativität und entwirft so einzigartige Kleidungsstücke. Sein nächstes Ziel: Berlin.   

Wie bist du zu der Idee gekommen, Mode zu entwerfen?

Angefangen hat es damit dass ich vor einigen Jahren nach etwas suchte, aber nicht fand. Und zwar einen Beutel. Jedenfalls fand ich keinen, der meinen Vorstellungen entsprach. Meine Mutter hatte mir als Kind mal gezeigt, wie eine Nähmaschine funktioniert, und da dachte ich: „Es kann doch nicht so schwer sein, einen Beutel selbst zu machen! Der besteht ja nur aus Rechtecken.“ Und dann hab ich mich einfach drangesetzt und mich ausgetobt. Ich erkannte relativ schnell, dass das nicht nur eine einmalige Sache war, als ich nach einigen Anläufen den ersten tragbaren Beutel in meinen Händen hielt. Und so fing das Ganze an. Nach und nach tastete ich mich vor zu komplexeren Kleidungsstücken und so ist es jetzt auch noch. Ich lerne immer noch dazu.

Was ist Mode für dich?

Mode ist für mich in erster Linie ein Ventil, um meine Kreativität auszuleben. Wie ich mich kleide oder durch Kleidungsstücke, die ich kreiere, kann ich mein Inneres nach außen reflektieren, Stimmungen und Gefühle ausdrücken und Erinnerungen wecken. Für mich ist Mode etwas sehr Persönliches und ein wichtiger Teil meines Lebens. Mir geht es nicht um teure Kleidung und Prestige trächtige Logos, sondern viel mehr darum, welche Gedanken ich mit einem Stück oder einer Silhouette verbinde. Ich liebe beispielsweise lange Mäntel und Roben, was wahrscheinlich auf Kindheitserinnerungen zurückzuführen ist, da ich damals viel Zeit in der Phantasiewelt des „Zauberers, der überlebte“ verbracht habe.

Glaubst du, Mode sagt viel über einen Menschen und seinen Charakter aus?

So pauschal würde ich das nicht sagen, aber in einigen Fällen schon, ja. Ich finde aber, dass das heutzutage nicht mehr so ausgeprägt ist wie früher, als es noch Jugendgruppierungen inklusive Kleidungskodex und Lebenseinstellung gab, sprich Punks, Emos, Hippies, Metalheads usw. Die Mode dieser Gruppierungen hat es längst schon auf den Laufsteg und in die Kleiderschränke von Mode-Enthusiasten geschafft, was klar wird, wenn man sich beispielsweise die Kollektionen von Vetements anschaut, nur um ein aktuelles Hype-Wunder zu nennen. Um nochmals auf deine Frage zurück zu kommen: Mode KANN etwas über einen Menschen und seinen Charakter aussagen, ist aber oft schwer einzuschätzen, und man sollte meiner Meinung nach auch niemanden nach dem beurteilen, was er trägt. Ich finde Mode ist etwas sehr Persönliches und jedem ist es selbst überlassen, was sie für ihn bedeutet.Carmen Alber Alles auf Anfang - Jimmy Unterweger

Hast du schon eine Idee für ein zukünftiges Projekt? 

Ich habe viele Ideen für zukünftige Projekte, ich muss vielmehr zusehen, dass ich die Zeit und Mittel finde, um sie auszuarbeiten und umzusetzen. Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber es ist Einiges auf dem Weg.

Würdest du gerne mit Karl Lagerfeld um die Häuser ziehen?

Ja natürlich! Karl ist eine sehr interessante und faszinierende Persönlichkeit. Sein exzentrisches Auftreten, seine direkte Art und Nonchalance finde ich toll. Außerdem ist er ein absoluter Meister seines Faches, also, denke ich, könnte ich viel von ihm lernen, wenn ich mit ihm „um die Häuser ziehen“ würde (ich bezweifle aber stark, dass das passieren wird).

Könntest du dir eine Zukunft in der Modebranche vorstellen? – Wo und in welchem Bereich?

Auf jeden Fall, es ist doch jedermanns Traum, seine Leidenschaft als Job ausüben zu können, oder? Falls ich damit aber nicht meinen Lebensunterhalt verdienen werde, ist das halb so wild, sie bleibt mir ja trotzdem noch. Wo und in welchem Bereich ich lande und ob ich es überhaupt so weit schaffen werde, das lasse ich das Universum entscheiden.

Was hast du für einen Kleidungsstil? 

Was die Kleidung angeht, liebe ich lange, schön fallende Sachen und überspitzte Proportionen. Farblich beschränke ich mich meistens auf maximal drei, wobei schwarz fast immer die Basis ist. Mein Kleidungsstil variiert aber stark, manchmal steckt eine Figur dahinter, manchmal nicht. Es gibt Phasen, in denen ich mich eleganter anziehe, und Phasen in denen ich eher wie ein Gypsy aussehe. Langweilig wird es aber nie. Sobald mir etwas im Kopf herumschwirrt, probiere ich es aus.

Hast du ein Markenzeichen?

Die Sachen, die ich mache, strahlen immer einen Hauch von Eleganz und Minimalismus aus. Mal mehr, mal weniger, aber das ist so der Grundton meiner Kleidung. Ich versuche im Schaffensprozess aber nicht wirklich bewusst diesen Stil durchzusetzen, es kommt für mich auf natürliche Weise so raus. Und wenn ich dann einige meiner Stücke betrachte, sehe ich: ja, das bin ich.  

Fotos: Carmen Alber

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