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March 6, 2017

Völlig losgelöst … – Wovon eigentlich? „Heimatkunde“ von Nicolò Degiorgis

Kunigunde Weissenegger

Heimatkunde war auch eines meiner Unterrichtsfächer in der Volksschule. Ganz genau erinnere ich mich nicht mehr, was alles auf dem Stundenplan stand und wir von unserer Lehrerin lernten. Das liegt aber sicher nicht am Inhalt, sondern wohl eher daran, dass die Kartone im Dachboden und die Schubladen im Hirn, wo dieses wertvolle Wissen gelagert ist, mal wieder entstaubt werden müssten … Heimatkunde - Nicolò Degiorgis - Cover - Museion 2017 

Nicolò Degiorgis tut das: Für das Museion arbeitet er als Gastkurator auf etwas Besonderes hin: Im September 2017 wird eine umfangreiche Ausstellung mit dem Titel “Hämetli & Patriae“ stattfinden. Im Rahmen dieses Projektes stellt er im Lauf der Monate fünf Künstlerbücher vor. Das erste mit dem Titel „Heimatkunde“ ist bis 12. März in der Museion Passage und in der Alexander-Langer-Schule in Bozen installiert. Richtig gelesen: installiert. Zum einen kann das Buch bzw. eigentlich die Heimatkunde-Mappe von Nicolò Degiorgis aufgearbeitet und aufbereitet an den Museion-Wänden in der Passage angesehen werden. 

Heimatkunde - Nicolò Degiorgis - Museion 2017

Zum anderen geht das Buch in den Rahmen zurück, in dem es entstanden ist: Die Alexander-Langer-Schule (gibt’s seit Herbst 2014, ist also nicht Degiorgis Schule) ist ein schönes Beispiel für Austausch und Gemeinschaft zwischen den SchülerInnen, egal welcher Sprachgruppe, unter einem Dach. Genau in dieser Schule im Bozner Stadtviertel Firmian können die jungen Bildungshungrigen „Heimat erkunden“, indem sie ein Mini-Haus aus den Heimatkunde-Büchern betreten oder ihre ganz eigene, persönliche Heimatkunde-Mappe selbst erstellen. 

 Heimatkunde - Nicolò Degiorgis - Haus - Langer Schule - 2017 

Das geht übrigens auch für Nicht-SchülerInnen überall: Das Buch ist im Verlag Rorhof erschienen, damit sich jede und jeder zunächst in der Heimat von Nicolò Degiorgis kundig machen kann und dann vielleicht auch selbst in Erinnerungen schwelgen, geographische und konzeptuelle Elemente der Orte, in denen wir leben, überlegen, Parallelen ziehen, Gegensätze angrübeln oder eine eigene mehrspektrische, lokale Dimension denken kann. 

 Heimatkunde - Nicolò Degiorgis - Family - Museion 2017 

Wer Nicolò Degiorgis und seine Arbeiten kennt, weiss dass der Fotograf immerzu erpicht darauf ist, Situationen oder Dinge weiter als bis auf ihren Grund zu erforschen, Sprache oder Kulturen aus ihrer Abstraktheit zu lösen. [Siehe auch das Interview mit ihm “Menschen haben keine Wurzeln, sondern Beine.”] Seine Analysen und Abhandlungen können für Betrachterinnen und Betrachter seiner Arbeiten ein Ansporn sein, Ideen und Werte, die einer bestimmten Gemeinschaft zugeordnet werden, zu deuten, zu übersetzen, für die eigene Realität umzuschreiben. 

 Heimatkunde - Nicolò Degiorgis - Burgeis - Museion 2017

Heimatkunde - Nicolò Degiorgis - Sarntal - Museion 2017

Fotos: Nicolò Degiorgis

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