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February 10, 2017

E TE TSE #06
Matura 2017 – Ich war dabei

Michael Brugger

Dass das italienische Bildungssystem undurchsichtig und verworren ist, dürfte allgemein bekannt sein. Vor allem bei Abschlussprüfungen, ob Mittelschule, Matura oder Uni, wiebert der Staat gerne mal alles um. Gerade mich betrifft das, da ich mich langsam auf die Matura vorbereiten muss. Seit letzter Woche ist auch raus, welche Fächer und welche LehrerInnen von intern oder extern kommen, das heißt, in welchen Fächern ich von einem meiner LehrerInnen geprüft werde und in welchen ein_e LehrerIn von einer anderen Schule kommt. Meine Matura sieht so aus: eine sechsstündige schriftliche Deutschprüfung (extern), eine sechsstündige schriftliche Englischprüfung, eine dreistündige schriftliche Italienischprüfung (beide intern), eine dreistündige schriftliche Prüfung in den Fächern Deutsch, Französisch, Chemie (extern), Italienisch, Englisch und Kunstgeschichte (intern), das sogenannte „Fächerbündel“ und eine halbstündige mündliche Prüfung in den gleichen Fächern zusätzlich zur Präsentation einer Facharbeit, die ich im Laufe der fünften Klasse ausarbeiten muss. Außerdem bekommt man noch Maturapunkte im Laufe der dritten, vierten und fünften Klasse, entsprechend dem Notendurchschnitt – genannt wird das ganze „Bildungsguthaben“.

Klingt doch eigentlich nicht so schwer, man muss wirklich aktiv nichts tun, um das nicht zu schaffen, habe ich mir sagen lassen. Es ist wirklich machbar, auch für Schüler mit Schwierigkeiten. Doch Rom sieht die ganze Sache ein wenig anders. Künftig (das heißt ab 2018) besteht die Matura nicht mehr aus drei schriftlichen und einer mündlichen Prüfung (die Italienischprüfung und das Fächerbündel werden als eine Prüfung gewertet), sondern nur noch aus einer schriftlichen Prüfung in der Muttersprache (also an deutschen Schulen in Südtirol Deutsch), einer schriftlichen Prüfung in irgendeinem anderen Schulfach und einer mündlichen Prüfung. Der bisherige Bildungsweg soll stärker gewichtet werden, sprich in der dritten, vierten und fünften Klasse können mehr Punkte erreicht werden, gleichzeitig aber ist am Ende der fünften Klasse keine positive Benotung in jedem einzelnen Fach mehr nötig, sondern lediglich ein Durchschnitt von sechs.

Da könnte man die Matura genauso gut mit der Cornflakes-Schachtel verkaufen, denn das ist keine Herausforderung mehr. Das ist einfach nur ein nachgeschmissenes Diplom und das Land wird arm werden, wenn, wie bisher, SchülerInnen mit voller Punktzahl, einen fetten Scheck zur Prämierung bekommen. Wenn man der ganzen Sache die Herausforderung nimmt, dann verliert die Matura ihren Wert. Man braucht höhere Punktzahlen, um an Universitäten aufgenommen zu werden, einen Arbeitsplatz zu finden, wird ein Ding der Unmöglichkeit, weil jeder dahergelaufene Hans und Franz, ja sogar noch der Motschuner Peppm ein Summa Cum Laude hat. Und mein Jahrgang ist dann der Dumme – wir mit unseren 70 oder 80 Punkten, die einfach nur das Pech hatten, für ihre Matura noch etwas leisten zu müssen.

Bildung ist etwas Wichtiges. Ist man nun Anwalt, Kellner oder Maurer – eine gewisse Allgemeinbildung sollte man von einem Menschen, ungeachtet seines Berufs, wirklich erwarten können. Aber wenn man einem Menschen bescheinigt, er hätte dieses Wissen, ohne richtig zu überprüfen, ob er es sich wirklich angeeignet hat, dann frage ich mich, ob es überhaupt noch einen Sinn macht, das Wissen zu überprüfen. 

Abschließend noch ein Lösungsvorschlag: International gibt es eine Skala für Sprachbeherrschung, ähnlich unserer Zweisprachigskeitsprüfung. Das höchste zu erreichende Niveau ist A1, das niedrigste C2. Vielleicht sollte man so ein System auch für eine Abschlussprüfung – für jedes einzelne Fach – einführen. Eine akkuratere Methode, das Wissen eines Menschen zu überprüfen und es einzuordnen, fällt mir jedenfalls nicht ein.

Foto: David Duzzi

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