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January 12, 2017

E TE TSE #02
In Thailand und Monaco

Michael Brugger

Andere Länder, andere Sitten. Aber dass man nicht gerade mit der Nationalflagge des Landes, das einem so herzlich Kost und Logie schenkt, Schindluder treibt, versteht sich, glaube ich, von selbst. Einen der beiden frivolen Flaggenfladerer kenne ich sogar persönlich. Den Namen möchte ich hier aus Respekt nicht nennen, obwohl die Identitäten der beiden dank stol, Dolomiten und Co. schon südtirolweit bekannt sein müssten.  

Irgendwelche Jugendsünden hat doch jeder – ich selbst schließe mich da keineswegs aus, doch festgenommen wurde ich noch nie. Die beiden jungen Männer aus Naturns sind aber nicht die einzigen, die im nahen oder fernen Ausland dem langen Arm des Gesetzes zum Opfer fielen. Anstatt die Jungs anzuprangern oder mich darüber aufzuregen, wie trivial der Vorfall eigentlich ist, was er auch ist, erzähle ich euch nun, aus Solidarität, eine Geschichte, die sich vor fast einem Jahr im friedlichen Fürstentum Monaco zugetragen hat.

Es war im April 2016 auf einer Klassenfahrt nach Frankreich. Auf dem langen, eintönigen Busweg ins südfranzösische Antibes unterbrachen wir unsere Fahrt für einen willkommenen Stopp im Land der Reichen und Schönen, der Formel 1, der großen Yachten und teuren Villen, in Monaco. Die meisten von uns nutzten die Gelegenheit, das Leben zu bewundern, das wir nie führen werden; teure Autos mit Unmengen an nutzlosem Schnickschnack, Luxusboote, größer als meine Wohnung, Villen, so geräumig, dass darin eine Großfamilie mitsamt Dienerschaft leben kann, ohne sich auch nur ein einziges Mal am Tag begegnen zu müssen. Und der Heilige Gral für jeden Formel 1 Fan (wie mich): der Circuit de Monaco. Eine Kugel Eis ist in Monaco übrigens überraschend billig, bedenkt man, dass es sich um eine der teuersten Städte in Europa handelt.

Wie dem auch sei, als alle wieder im Bus saßen, wieder bereit, die Klagen über die Monotonie der Reise fortzusetzen, saß einer aus der Gruppe eben nicht im Bus, sondern in einer monegassischen Polizeistation. Entsetzen, Unglaube, schallendes Gelächter im Bus. Der Grund für diese unzumutbare und bodenlose Frechheit einer Verhaftung ist noch wahnwitziger und verrückter als die Tatsache, dass ich nun einen in Monaco Vorbestraften in meinem Freundeskreis habe. Er hat es mir so erklärt: Auf dem Platz vor dem Fürstenpalast stehen alte Kanonen bzw. Statuen, in der Form von Kanonen. Wie es sich für einen anständigen, pflichtbewussten Touristen natürlicherweise gehört, wollte er ein Andenken; ein Foto, das er bei seiner Heimkehr Freunden und Familie, auch seiner lieben Omi zeigen konnte. Ein Foto, auf dem es so aussieht, als schösse ihm eine der unechten Kanonen geradewegs in den feinen Allerwertesten. Leider wurde seine gebückte Pose von den anwesenden Wachmännern fehlinterpretiert und so verstanden, als zeige er dem fürstlichen Paar seine gluteale Schokoladenseite. Er wurde verhaftet, aber dank unerbittlicher Diskussion zwischen Lehrern und Beamten noch am selben Tag wieder entlassen.

Leider hatten die Jungs in Thailand keine sich mütterlich sorgenden Lehrpersonen in Begleitung und sitzen seit Montagmorgen hinter schwedischen, ähm, thailändischen Gardinen. Ein paar Tage werden sie auch noch dort bleiben, bis sie – so wie es der Richter entschieden hat – mit einer Geldstrafe, sieben Monaten auf Bewährung und einem metaphorischen blauen Auge des Landes verwiesen werden.

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