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November 23, 2016

As local as possible? Der truly site specific Lagrein von Emma Smith

Kunigunde Weissenegger
„Terratorium“ – die Infragestellung der Einzigartigkeit und Eigenständigkeit von Orten.

Was kennzeichnet eine Landschaft? Welche Rolle spielt Authentizität? Wie einzigartig sind Erzeugnisse aus einem bestimmten Ort, der von Wetter, Witterung und Klima sowie von geologischer Vielfalt angelagerter Bodenschichten beeinflußt ist? Kann ein Geschmack ortsspezifisch sein? 

Kunst trifft auf Territorium (oder ist es umgekehrt?): Beim vierten Residenzprojekt von BAU laden die Kuratorinnen Simone Mair, Lisa Mazza und Filipa Ramos die Künstlerin Emma Smith aus Großbritannien nach Südtirol ein. Nach Rechercheaufenthalten der Künstlerin in Südtirol hat sie das ortshinterfragende Projekt „Terratorium“ definiert. 

Der Plan: In Zusammenarbeit mit Weinbauer Josephus Mayr vom Erbhof Mayr-Unterganzner in Kardaun bei Bozen entsteht ein Barrique-Fass voll truly site specific Lagrein. Die Produktion wird begleitet von Überlegungen und Betrachtungen der Künstlerin und des Weinbauern. Die Ernte, die Entrappung per Hand, (um den Kontakt mit Maschinen zu vermeiden,) und die Einlagerung der Trauben in einem Fass aus einer Eiche vom Hof, mit natürlicher Fermentation, ist Ende Oktober 2016 erfolgt. Zwischen den einzelnen Arbeitsschritten haben sich am Erntetag Weinakademiker Christoph Tscholl, Geologe Konrad Messner, Meteorologe Manuel Oberhuber und Förster Laurin Felix Mayer jeweils aus den Blickwinkeln ihres Fachs gemeinsam mit der Künstlerin und dem Bauer in einer Gesprächsrunde über die Frage „Wie ist der Ort, an dem wir jetzt sind, nach außen verbunden?“ nachgedacht. 

Der allgegenwärtige Claim „As local as possible“ wird damit auf eine neue Ebene gehoben und durch das BAU-Projekt nicht nur in Frage gestellt. Emma Smith will bei der Weinproduktion so weit wie möglich ortsfremde Materialien ausschließen und die Essenz des Ortes destillieren. Inwiefern wird es möglich sein, den Geschmack eines Territoriums zu extrahieren? 

Wie ortsspezifisch ein Wein schmeckt, der zwar in Kardaun gewachsen, aber von Schwemmböden und Wetter beeinflusst ist (und von einer Ausländerin produziert wird – und wer weiß, woher die ErntehelferInnen kommen – und interessant auch, dass wir zum Beschreiben auf universelle, sinnliche Begriffe wie Vanille, Zitrone, Himbeere und Zimt zurückgreifen), wird erstmals am 23.11.2016 beim Mayr-Unterganznerhof in Kardaun probiert und erörtert. Der Wein wird nach dieser ersten Verkostung für zwei Jahre im Eichenfass reifen, im Herbst 2018 in eigens entworfene Flaschen abgefüllt und als limitierte Edition verkauft werden. Weitere Überlegungen von Emma Smith zu ihrem Projekt gibt es in diesem Video

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