Music

October 20, 2016

Lads mit Akustikrauschrock auf Salvage Release Tour

Max Silbernagl

Vor dreieinhalb Jahren, genauer gesagt am 3. Jänner 2013, ging’s los: In diesen Jahren haben sie nicht wenige Bühnen, Festivals, Stadt- und Straßenfeste unsicher gemacht, mit ihren melancholischen Folk-Rock-Geschichten aus dem Leben, Melodien und Eigenkompositionen beglückt. 2015 haben sie UploadSounds gewonnen, sind unter anderem beim Full Tension Festival in Bozen und beim Sotalazopa im Trentino aufgetreten, 2014 übrigens auch bei der Rosengarten Festa und beim BUSK Festival in Bozen. Sie sind motiviert und arbeiten hart für den Sprung nach ganz oben: Lads sind die fünfköpfige Band aus Brixen und absolut kein unbeschriebenes Notenblatt.

Nun endlich stellen Emanuele Colombi (Stimme, akustische Gitarre, Banjo), Lorenzo Colombi (Schlagzeug, Cajon, Stimme), Damiano Colombi (Geige, Stimme), Gabriele Munini (Bass) und Raffaele Barberio (akustische + E-Gitarre) ihre erste CD vor: Mit „Salvage“ und der gleichnamigen Release-Tour startet die Folkrockmusikformation nun voll durch. – Am 31. Oktober bei der Halloween Party des ASV Klausen Damenfußball im Dürersaal in Klausen. – Drei der fünf Musiker von Lads haben wir in der Temple Bar in Bozen zum Interview getroffen und mit ihnen über ihre Anfänge, die neue CD und ihre Pläne für die Zukunft gequatscht. 

Wie seid ihr auf den Namen Lads gekommen, hat er eine Bedeutung für euch? 

Emanuele: Lads kommt eigentlich vom Irischen und heißt „Jungs“ oder „Boys“.  Anfangs, als die Band noch anders besetzt war – mit Lorenzo, Agostino, Damiano und Scippa – setzte sich „Lads“ aus den Anfangsbuchstaben unserer Namen zusammen. Später kamen dann noch Raffaele und Gabriele hinzu, doch dachten, es wäre besser beim Namen zu bleiben, denn du kannst nicht bei jedem Formationswechsel deinen Namen ändern.  

Was hat euch inspiriert zusammen zu spielen? 

Emanuele: Wir drei Brüder trieben schon seit längerem unsere musikalischen Projekte voran, jedoch nie gemeinsam. Also dachten wir, es wäre allerhöchste Zeit miteinander zu musizieren. Ende 2012, Anfang 2013 haben wir schließlich damit begonnen und nach und nach gesellten sich Freunde dazu. Den Grundstein jedoch haben wir zu dritt gelegt.  

Was glaubt ihr, ist euer Markenzeichen, mit dem ihr in Erinnerung bleibt? 

Lorenzo: Am meisten merkt man sich die Geige von Damiano – leider. [schmunzelt] Geigen sind in Bands auf Bühnen sehr selten und der Punkt, dass wir eine in unserer Band haben, ist sicher eine unserer Stärken. Ich glaube, die Musik, wie wir sie spielen, ist sehr speziell: Wenn wir beispielsweise Bands covern, machen wir das mit Stücken, die bei uns nicht so sehr gehört werden – zum Beispiel Porcupine – und wir interpretieren sie ganz frei. Ein weiterer Trumpf ist der dreistimmige Gesang von uns Brüdern. Das ist sicher unser Überraschungsmoment. 

Uns gefallen eure Covers auch, aber ihr schreibt auch selbst Lieder. Was ist das Besondere an euren selbst geschriebenen Texten? 

Emanuele: Wir haben immer versucht, unseren Sound zu finden, sind aber noch nicht ganz da angelangt, wo wir hin wollen. Was nach uns klingt, ist bestimmt die Geige und der dreistimmige Gesang von uns drei Brüdern. Das ist unser Markenzeichen. – Noch dazu sticht die äußerst schlecht gespielte Gitarre von Raffaele heraus. [lacht] 

Wie habt ihr eure Liebe zur Musik entdeckt? 

Emanuele: Ich habe keine konkrete Erinnerung an diese Zeit, da ich noch sehr, sehr klein war. Musik war immer schon ein Teil meines Lebens. Ich kann eigentlich keinen fixen Zeitpunkt festlegen, wie und wann es angefangen hat. 

Es ist dir sozusagen in die Wiege gelegt worden?

Emanuele: Ja, das kann man so sagen. Meine Mama hat immer gesungen, mein Papa auch. Vielleicht hat Lorenzo noch eine konkretere Erinnerung? Von meiner Seite gibt es jedenfalls keine.  

Lorenzo: Nein, habe ich auch nicht. Ich habe damals mit einem anderen Instrument begonnen: Zuerst war es die Block- und Bassflöte und das neun Jahre lang. Mit 16 habe ich dann die Liebe zum Schlagzeug entdeckt und angefangen Rockmusik zu spielen. Und seit der Mittelschule singe ich im Chor – auch heute noch.  

Raffaele: Anch’io un ricordo preciso, non ce l’ho. Mi ricordo solo che una volta un amico mi ha messo delle cuffiette e ho sentito un solo di chitarra. Da quel momento sapevo che volevo fare un certo tipo di musica e dopo ho conosciuto loro. 

Wer sind eure musikalischen Vorbilder? 

Wir haben alle verschiedene Musikgeschmäcker, aber für die Band spielen mit Sicherheit Dave Matthews Band und Porcupine Tree eine wichtige Rolle. Sie haben eigentlich nicht viel miteinander zu tun, doch genau da, wo sich diese beiden Bands im Sound treffen, befinden wir uns. Von der einen haben wir das Psychedelische und die etwas härteren Passagen mit verzerrten Sektionen und von der anderen die Teile mit Geige und akustischer Gitarre übernommen. 

Wer schreibt denn die Texte?

Emanuele: Das mache ich. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn meine Bandkollegen sich in Zukunft mehr einbringen würden; sie sind alle Top-Musiker und ich möchte ihr Potenzial und ihre Kreativität von Anfang an ausschöpfen. Das heißt, die Grundstruktur und den Text eines Liedes baue ich und danach machen wir gemeinsam den Feinschliff. Im Proberaum herrscht immer eine gute Stimmung, es gibt viele Ideen von allen.  

Lads Band franzmagazine

Woher nehmt ihr eure Inspiration, was wollt ihr den Leuten vermitteln? 

Emanuele: Alkohol grundsätzlich [lacht]. Scherz beiseite, das ist eine gute Frage. „to salvage“, wie das Album auch heißt, bedeutet auf Italienisch recuperare, auf Deutsch fällt mir das Wort jetzt nicht ein, es ist irgendwie nicht übersetzbar. Die Lieder auf der neuen CD habe ich vor 3–4 Jahren geschrieben oder sind aus einzelnen, älteren Texten zusammen gesetzt. Praktisch ist es die Geschichte einer gescheiterten Liebesbeziehung (die auf einer wahren Geschichte beruht) und der Weg aus dieser Krise hinaus bis hin zu einer tiefen serenità bzw. inneren Ruhe. – Also nicht wirklich aus dem Leben gegriffen – das kennt ihr vielleicht – im wahren Leben kann man nicht von Reife oder innerer Ruhe sprechen, doch auf unserer CD kann man das erleben.

Beschreibt euch mal alle ein wenig!  

Raffaele: Abbiamo tutti delle personalità un po’ diverse, per esempio Emanuele è molto carismatico. Dopo ci sono magari persone che sono un po’ più riservate, come Lorenzo e Damiano, e io che non so suonare e Gabriele che ha anche una personalità particolare. Sul palco sappiamo divertirci tutti. 

Emanuele: Gabriele ist neu in der Band und vor einem Jahr zu uns gestoßen. Er ist einer der talentiertesten Musiker, den ich kenne, und hat uns einen enormen Ruck vorwärts verpasst. Wir sind nun zielorientierter, zielstrebiger und konzentrierter bei der Arbeit. Er kommt zu den Proben und spielt einfach drauflos, es freut ihn einfach, zu spielen. Er spielt E-Bass und es scheint so, als würde er sich nicht einmal anstrengen und trotzdem bringt er immer Top-Resultate. 

Lorenzo: Damiano weiß, wie man sich auf der Bühne bewegen muss, er ist eine richtige Rampensau, von ihm kann man viel lernen. Das Entertainen hat auf der Bühne nämlich in den letzten Jahren etwas gefehlt. 

Emanuele: Damiano studiert in Venedig Kunst und kommt zum Spielen und Aufnehmen nach Bozen, deshalb ist er in einige Bandangelegenheiten manchmal nicht so involviert. …und wenn er hier ist, ist er manchmal ein wenig zerstreut, wie alle Malereistudenten. Aber wenn es darauf ankommt, ist er stets bei der Sache, gibt konstruktives Feedback, sagt, was nicht passt. Raffaele ist der Praktischste von uns allen. Er achtet darauf, wie wir etwas machen, ob es sich lohnt und wie wir da hin kommen – das hilft sehr. Überdies ist er ein guter Problemsolver: Wenn uns manchmal das Auto verreckt, schaut er, dass es weiter geht. Er studiert Pop-E-Gitarre am Konservatorium Bozen und hilft uns die Stücke zu vereinfachen, wenn ihm vorkommt, sie sind zu kompliziert aufgebaut oder passen nicht zu unserem Stil. Er spielt außerdem noch sehr gut Gitarre. 

Raffaele: Lorenzo fa tutte le grafiche per la nostra band: Ha fatto un lavoro fantastico per il nuovo CD e cura anche la grafica del nostro sito. Ogni tanto, anche lui è da frenare perché avvolte ha un po’ idee esagerate… Ma andiamo sempre d’accordo. 

Emanuele: Drei Brüder in einer Band ist schon etwas besonderes; man versteht sich ohne etwas sagen zu müssen. Mittlerweile gehören auch alle anderen zur Familie. Nicht immer ist das förderlich – wenn wir streiten, gibt es manchmal keine Barrieren.

Raffaele: Emanuele è il nostro motore: scrive tutto lui, ci organizza le prove e i posti dove possiamo suonare. 70 % fa tutto lui. Per sua fortuna suoniamo tutti bene, cosi tutto è a posto. [ride] Innanzitutto, più che una band siamo tutti amici, e questo si vede anche quando suoniamo. 

Mit der ersten CD-Veröffentlichung gewinnt ihr mit Sicherheit noch mehr Aufmerksamkeit. Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Emanuele: L’Arena di Verona natürlich – Unser Limit war bisher immer, dass wir als Partyband eingestuft wurden, die in Pubs und Lokalen spielt. Wir haben zumeist ein paar Covers gespielt und einige wenige selbstkomponierte Lieder. In Zukunft wollen wir unsere komponierten Lieder auf einer großen Bühne präsentieren, wo man uns als Lads erwartet und wo uns zugehört wird. Wir spielen immer noch gerne auf Partys und in Lokalen, aber jetzt, wo wir endlich unsere CD haben, wollen wir den Fokus verschieben und mit unseren Eigenkompositionen durchstarten.

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