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February 22, 2015

Jörg Zemmler: Schriftsteller + Musiker
– je nach Laune

Kunigunde Weissenegger
"Wer ein Buch liest oder auf eine Lesung geht, schießt nicht," meint er. Solitär und weltpremier steht Jörg Zemmler am Dienstag, 24. Februar 2015 ab H 20.30 mit "Im Grunde ist doch alles ganz einfach." auf der Bühne der Carambolage in Bozen.

Nulltens: Seid ihr bereit? Erstens: Kommt ihr hin? Und zweitens: Mögt ihr etwas mehr über ihn erfahren? 
Wir haben den inzwischen wieder von Wien und der Welt nach Seis heimgekehrten Wortschleuderer (einer der ersten der neuen Generation, sofern es mensch so sagen mag), Musiksetzer und Preiseeinheimser (2006 gewann er in langen, weißen Unterhosen mit “Wir sind die Kleinen” den FM4 Protestsongcontest, 2009 den Ö-Slam, 2012 den Ö1 Lyrikpreis “Hautnah“) Jörg Zemmler (mit oder ohne l, aber danach fragen wir dann sogleich) fraglich seziert und angenehm auseinander genommen. Wer mehr von ihm (hören + sehen) will, möge sich durch seine Website klicken. Jörg Zemmler ist übrigens auch Mitbegründer von Huellkurven, einem Online Sound Poetry Magazine.

Wer ist Jörg Zemmer? – ohne l – Wer ist Jörg Zemmler? – mit l – oder wird das l überbewertet? 

Der ohne -l- ist seit Herbst 1975 offiziell in den Verein Italien eingetragen, er hat die HOB in Bozen besucht, Politikwissenschaft studiert und eine Ausbildung zum Tontechniker gemacht.
Der mit -l- ist jünger, hat hauptsächlich geschrieben, Musik gemacht und allerhand ähnliches. Er war es auch der, der in Wien verschiedene Preise gewann, und ist daher auch bekannter als der ohne. Dem macht das aber nichts. Sie sind gute Freunde.

Wie geht’s denn so? 

Ganz gut, danke. Seit ich mehrheitlich in Seis wohne, arbeite ich sehr viel. Es kommt mir vor, als hätte ich im letzten Jahr mehr geschafft, als sonst in -Wienerjahren- in drei gegangen wäre.

Was läuft denn gerade bei dir?

Meistens Radio Deejay. Ich mag die Sprache, die Quatscherei und interessiere mich für aktuelle Popmusik, aber auch für das, was insbesondere im Hiphop-Bereich abgeht. Sonst ist das neue SUNDAY BOB Album fertig, bis vor kurzem hießen wir noch -Bob-, Release ist im Mai. Weiters schrieben Martin Hanni und ich ein Filmdrehbuch, wir suchen gerade wen, der einen Film daraus machen möchte. Vorbereitungen für den Abend in der Carambolage natürlich, neue Seiten auf die Gitarre aufziehen nicht vergessen, danach nach Wien zum Dichtfest in die Alte Schmiede, dann Lesung am Realgymnasium Meran; am Lyrikband, der 2016 rauskommen wird arbeiten. Daran arbeiten, urlaubsreif zu werden!

Wenn Jörg öfter mit franz unterwegs wär, was würden sie dann drehen?

Krumme Dinge. Ich hätte Lust, ihr auch?
[Haben wir devinitif – Anm. d. Red.]Seis-Bozen – Bozen-Seis – wo sind der Reiz, wo die Verbindung, wo die Unterschiede? 

Es gibt keine U-Bahn, nein, überhaupt nicht. Dafür freitags und samstags Nachtbusse, untertags sowieso. Die Verbindung ist ganz gut. Zumindest ein Mal die Woche muss ich den Hügel runter, unter Leute, Autos schaun, Rummel genießen. In einer Stadt gibt es einfach mehr Leben. Nichts gegen Natur, aber immer nur?

Was hat sich seit deinem ersten literarischen Auftritt (wann war das?) getan?

Letztes Jahrtausend war das. Innsbruck. Dann nach Wien. Dort fußgefasst. Ein Solobuch, bei mehreren mitgeschrieben, Literaturzeitschriften. Preise gewonnen, die Gagen erhöht. Experimentieren nicht aufgegeben, trotzdem. Irgendwann auf die Frage “Was machst du” mit “Schriftsteller” zu antworten begonnen, eingedenk der meist unangenehmen Fragen danach. Oder “Musiker”, je nach Laune, oder beides. 

Welches ist denn dein skurrilster Text?

Was dem einen skurril dünkt, ist dem anderen nur recht. Für mich ist keiner meiner Texte skurril. “Eigenwillig” vielleicht. Wobei mir das Wort “skurril” schon besser gefällt.
…ok, nehmen wir den: tertiäre sektoren/ analyse der konsequenz im begriffskomplex hotel bauer und dessen kontext* Ein schreibstück*. Der ist in “17 Jahre ohne Sex” , Edition a – Wien, erschienen, ein Sammelband über und vom Stundenhotel “Bauer” in Wien.
Er fängt so an:
Das dach ist unten* Oben ist der meiste himmel blau* Kommt man durch den eingang herein/ ist der ausgang da* Als ronald reagan im hotel bauer residierte* Trank whisky/ klaus kinski limonade und zusammen setzten sie kandinsky auseinander/ was wäre/ wenn die türen im hotel bauer andersrum liefen* Kinski bestellte himbeeren im ausmass und das licht wurde dunkel/ währenddessen niemand anders war* Die ampel war rot* Herr b schnitt die krawatte ab/ die ihm caramelia gedacht hatte und betrat das hotel* (…)

Was möchtest du mit deiner Musik und deinen Texten bewirken?

Gar nichts. Oder? Sagen wir so: wer ein Buch liest oder auf eine Lesung geht, schießt nicht. 

Im Grunde ist doch alles ganz einfach. – Wie bitte?

Ist es doch, nicht? Halt nur im Grunde. Davon gibt es einen Text, den ich zu Weihnachten im Februar in Bozen vorlesen werde.

“Unterhaltsam, poetisch, anarchisch” heißt es in der Ankündigung für den Abend mit dir in der Carambolage. – Worauf sollen wir uns denn am 24.2. gefasst machen? – Wie sollen wir uns vorbereiten? 

Schwerpunkt werden Poetrytexte sein, die sind unterhaltsam, Poesie wird mit von der Partie sein, auch Lieder mit Gitarre, aber keine über die Liebe, ein Chorstück (ja, wirklich) und, worauf ich mich am meisten freue: es wird 5 Weltpremieren von Kurzfilmen geben aus der neuen Reihe “Anarcho Advertisement”.
Zur Vorbereitung: nicht Fernsehschauen, ein Glas Wein. Einmal die anderen Schuhe anziehen. 

Was wolltest du noch hinzufügen?

Die ersten zwei, die mir folgende Frage an joergzem@hotmail.com richtig beantworten, bekommen am Dienstag je 1x freien Eintritt, die nächsten zwei je ein Buch samt CD: 
Wer war als Jugendlicher auf der Seiser Alm schifahren und machte später “talk 2000″?

…und abschließend noch eine “seriösere” Frage: Literatur in Südtirol ist? … 

Genauso wichtig wie sonstwo. Ich bin für ein Literaturhaus, wie es sie auch in den größeren Städten Österreichs gibt.

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