Music

April 15, 2014

Pop im Park: Filou-Sänger Lukas Meschik über die Chemie der Band

Marco Russo
Filou spielen zusammen mit Vormärz am Donnerstag 17.4.2014 ab 21.00 Uhr im The Early Bird, Innstrasse 55 in Innsbruck

Aus dem Alltag gegriffen. “Wien ist im Frühling am schönsten!” – sagte die junge Dame hinter der Theke der Innsbrucker Bäckerei am Vorabend meiner Abreise. Ich schlürfte den letzten Schluck Weißsauer aus meinem Glas, verabschiedete mich und am nächsten Tag war ich schon dort. Wien, mit ihren knochenweißen Fassaden der Habsburgerzeit, erschien mir wie immer dekadent bekleidet, fast so wie am Vorabend des ersten Weltkrieges. Aber genug der Phantasterei: Zuerst kam die Arbeit, dann das Vergnügen – ich verlängerte meinen Aufenthalt um ein paar weitere Tage, war bei einem Freund untergebracht, flanierte tagsüber im MQ, in den Parks, den Gassen und am Donaukanal und gönnte mir dieses Mal weder eine Ausstellung, noch ein Konzert. “Einfach nur da sein und Leute treffen” – war die Devise. Und ich traf sie, die Leute, zwar nicht alle aber immerhin einige. Ich traf die unbekannten und anonymen sowie die altbekannten Gesichter.

Im Rausch der kontemplativen Langeweile und des Nichtstun schoss mir dann ein Versprechen durch den Kopf, dass ich während meines vorletzten Aufenthaltes einem jungen Musiker gegenüber geäußert hatte. – “Meld dich bei mir, kurz bevor ihr nach Innsbruck kommt, dann führen wir ein Interview für franzmagazine.” Nach einem kurzen Telefonat und nur 20 Minuten später saß ich dann gemeinsam mit Lukas Meschik im Stadtpark.Lukas Meschik ist Schriftsteller und Sänger von Filou, die am kommenden Donnerstag, 17.4. gemeinsam mit Vormärz im The Early Bird gastieren werden. Ich hatte das Vergnügen Lukas vergangenen Dezember kennen zu lernen, als ich mit den Jungs von Vormärz in Wien unterwegs war. Als Groupie sozusagen, mit dem einzigen Unterschied, dass ich kein Kind von ihnen wollte.  

Filou sind eine junge aufstrebende Band aus Wien, die letztes Jahr ihr aktuelles Album “Vor und nach der Stille” bei Problembär Records veröffentlicht haben. Sie selbst bezeichnen sich als Indie-Pop-Band à la Hamburger Schule in der Tradition von Tocotronic oder Tomte, obwohl man meines Erachtens inzwischen durchaus von einer Wiener-Schule sprechen kann, die zwar immer wieder nach Hamburg oder Berlin blickt, dennoch ihre Selbstständigkeit errungen hat. 

Die deutschsprachigen Texte stammen aus der Feder von Lukas Meschik: Sie entstehen als Wortfetzen des Erlebten, die dann zusammengeführt und gemeinsam mit den anderen Bandmitgliedern musikalisch umrahmt werden. “Das coole ist”, so Lukas, “dass wir eine gewisse Chemie haben, dass sich aus dem Jammen heraus zuerst Riffs und dann ganze Songs herauskristallisieren. Das interessante dabei ist, dass das Lied erst dann passt, wenn niemand mehr was sagt”. 

Das Wort “Chemie” wurde von Lukas mehrmals während unseres Gesprächs ausgesprochen. Die Chemie passte, als sich die Band geformt hatte, die Chemie passte, als die Lieder für’s Album aufgenommen wurden, die Chemie passte, als Filou die Tiroler Band Vormärz kennen lernte. Geradewegs diese Zusammenführung zeigt, dass, im Zeitalter digitaler Kommunikation und online Präsentationsmöglichkeiten für Bands, Labels oder Booking-Agenturen in den Hintergrund rücken und dass es durchaus möglich ist, alleine und mit den eigenen Kontakten eine Tour auf die Beine zu stellen. Natürlich werden dadurch nicht die großen Hallen gefüllt, aber wie Lukas meint, ist es besser in einem kleinen und gut gefüllten Lokal zu spielen als in einem großen Raum mit wenig Publikum. Intimität und Familiarität ist wohl ein Charakteristikum von Filou.

Während des Interviews schenkte mir Lukas ihre CD. Die Lieder kannte ich bereits, doch hatte ich nun die Gelegenheit, ein wenig die Texte zu überfliegen. Ein Freund von mir, der kürzlich Lukas Meschiks Buch “Luzidin oder die Stille” gelesen hatte, war besonders vom Fight zwischen Wien und Berlin begeistert. Wir lesen im Buch:  

“In der einen Ecke steht Wien, weinschwer und träge, aber siegessicher, wird das Kind schon schaukeln, ist man sich einig, ein Heimspiel, der Austragungsort wurde gelost. In der anderen Ecke Berlin, die kaum auszuhaltende Stadt, akzeptiert seine Tristesse nicht, sondern versucht sie in Keckheit und Unangepasstheit umzumünzen, was an Lächerlichkeit nicht mehr überboten werden kann. Berlin ist weitläufig und zähflüssig, ungesund rasch gewachsen, es zerfließt in alle Richtungen, wird nicht mehr zusammengehalten, angezogen ist es aber schicker, muss man neidlos anerkennen, ein Künstlermagnet, der auch einige große Töchter und Söhne Wiens zu einem Umzug verführt, die allergrößten halten aber nach wie vor die Stellung, lassen sich nicht blenden…”Wien ist bei Meschik und Filou ein immer wiederkehrendes Motiv. Ich frage Lukas, was diese Stadtverliebtheit oder gar Besessenheit so alles auf sich hat. Zwar sei es ihm auch aufgefallen, doch Großartiges steckt nicht dahinter. Vielmehr ist es, so meine Meinung, ein Charakterzug der Wiener selbst, die Aura der Stadt, die eine innere Haltung der Gelassenheit und Gemütlichkeit evoziert: “Im Grunde geht es nur darum, dass es schön ist, durch die nächtlichen Straßen zu spazieren und dabei Musik zu hören.”

Und vielleicht ist gerade dies die Formel von Filou: Gemütliche Musik zum Anhören, eine Synergie von Form und Inhalt, von Text und Musik. Wir dürfen auf dieses Double-Feature von Filou und Vormärz am Donnerstag, 17. April in Innsbruck gespannt sein. 

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