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August 21, 2013

Hallo Ciao Maroc #04. Einkaufen auf Marokkanisch

Franz
Vom 23. Juni bis 1. Juli 2013 waren 12 Jugendliche aus Südtirol mit Abdelouahed El Abchi vom Amt für Jugendarbeit und Sonja Cimadom von der OEW für das Austauschprojekt "Hallo Ciao Maroc" in der Hauptstadt Rabat. Sie erlebten für eine Woche bei Gastfamilien zuhause den marokkanischen Alltag hautnah mit. Auf franz erzählen sie uns in 6 Folgen von ihren Erlebnissen.

Text von Alexandra Vetter  

Wer kennt ihn nicht, den Supermarkt um die Ecke, wo man fast alles erhält, was das Herz begehrt? Nun, hier in Rabat ist das ein bisschen anders. Mal davon abgesehen, dass man hier im Pyjama um 23:30 Uhr noch einkaufen geht, befinden sich die nächst nächstliegendsten Kioske am Ende der Welt. Man kauft aber anscheinend nicht alles Benötigte in einem nahen Supermarkt, sondern man läuft von Viertel zu Viertel und hofft, dass das Geschäft noch geöffnet ist…Hallo Ciao Maroc - FahneEs war ein ganz normaler Dienstag-Nachmittag in Rabat. Alles schlief tief und fest… Alles? Nein! Denn zwei seltsame, der Hitze die Stirn bietenden Gestalten schritten über den heißen Asphalt, über dem die Luft stand (so heiß war es!) in die Richtung einer einsamen, kleinen Apotheke. Aus der Ferne konnte man nur spärlich die Umrisse der Gestalten erhaschen: die eine war groß und schwarz, die andere kleiner und blau. Als sie näher kamen und sich die dicke Luft mehr und mehr legte, formten sich die beiden Massen zu anschaulichen Frauen. Die größere trug eine schwarze Djelaba (marokkanisches Kleid) mit rotem Kopftuch, die kleinere eine hellblaue Djelaba mit grünem Kopftuch. Die kleine war ich und die große meine Gastmutter. Sie hatte mich gegen 15:34 Uhr gefragt, ob ich sie auf die Straße begleiten möchte.

Da alle anderen im Haus noch schliefen, zögerte ich nicht lange und nahm das Angebot an. Hallo Ciao Maroc - ParkDoch bevor wir uns auf den Weg machten, erklärte sie mir, sie müsse sich noch schnell umziehen, bzw. ihre Djelaba überstreifen. Auf meinen leicht verwunderten Gesichtsausdruck (ich dachte, wieso sie sich großartig umziehen müsste, wenn um diese Zeit sowie niemand unterwegs ist) wusste sie gleich eine Antwort: „Toi… hm… aussi… Djelaba?“ Gefragt, getan. Sie lehrte mich das Kopftuch zu binden und half mir in die Djelaba hinein. Nach unzähligen Erinnerungsfotos, die ich geschossen habe, gingen wir endlich los. Es war – ehrlich gesagt – sehr merkwürdig zu Beginn. Zu meinem Erstaunen hatten sich doch einige Hitzköpfe vor die Haustür gewagt und starrten uns an, als würden sie nie etwas anderes machen. Aber dann fiel mir ein, dass ich dank meines Aussehens nicht allzu sehr auffallen würde, es sei denn, ich müsste mit jemandem sprechen. Da ich nur wenige Vokabeln zum Thema Liebe auf Arabisch beherrsche, beließ ich es meist beim Schweigen gegenüber den Einheimischen, um mich bestens akklimatisieren und anpassen zu können. Leider klappte das dann doch nicht immer, wie ich kurze Zeit später in der Apotheke erfahren würde.Hallo Ciao Maroc - SchilderDenn während meine Gastmutter in fließendem Arabisch nach ihrer Medizin verlangte, kommunizierte ich mit einem wissbegierigen Apotheker… tja… eben gar nicht! Die Gastmutter brach das Schweigen, indem sie allen Angestellten erklärte, dass ich nur Französisch sprechen kann. Mit enttäuschten Gesichtern im Rücken kehrten wir alsbald Heim. Wir streiften unsere „Ausgehgewänder“ ab und stiegen die Treppen nach oben zur Wohnung hinauf.

Es war eine sehr schöne Erfahrung, die ich nicht hätte missen wollen. Mein Plan, als Marokkanerin verstanden zu werden, ging leider nicht wirklich auf, obwohl ich mich in marokkanisches Schweigen gehüllt hatte.

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